Rheinmetall-Aktie schwächelt: Rüstungswerte geraten unter Verkaufsdruck - Das steckt dahinter
Am Donnerstag gaben Rheinmetall, RENK und HENSOLDT deutlich nach, während eine Nachricht aus New York für Gesprächsstoff an der Börse sorgte.
Werte in diesem Artikel
- Rüstungswerte geraten branchenweit unter Verkaufsdruck
- Eine Nachricht aus New York sorgt für Spekulationen an der Börse
- Rheinmetall kämpft schon seit Wochen mit gesenkter Prognose
Die Aktien von Rheinmetall, RENK, HENSOLDT und TKMS geraten am Donnerstag unter Druck, nachdem US-Außenminister Marco Rubio am Vorabend eine Einladung Wladimir Putins zum G20-Gipfel in Miami bekanntgegeben hatte. Ein belegter Zusammenhang zwischen der politischen Nachricht und den Kursverlusten besteht zwar bislang nicht, die Branche gilt aber seit Monaten als empfindlich gegenüber Signalen einer US-Russland-Annäherung. Rheinmetall kämpft zudem seit einer Prognosesenkung mit einer angespannten Anlegerstimmung.
Rüstungswerte im Sog einer politischen Nachricht
Rheinmetall zählte am Donnerstag zu den größten Verlierern im Rüstungssektor, die Aktie rutschte auf XETRA letztlich um 3,41 Prozent auf 990,00 Euro ins Minus. Auch RENK (-3,99 Prozent auf 40,23 Euro) und HENSOLDT (-4,16 Prozent auf 76,00 Euro) gaben spürbar nach, nachdem beide Titel am Vortag noch zugelegt hatten. Auslöser der Debatte ist dabei möglicherweise eine Meldung aus New York: US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Mittwoch am Rande der UN-Generaldebatte, die USA hätten Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember eingeladen. Rubio sagte, dies biete Putin die Gelegenheit, nicht nur mit Präsident Trump, sondern auch mit anderen Staats- und Regierungschefs ins Gespräch zu kommen.
Der Gipfel soll am 14. und 15. Dezember im Trump National Doral in Miami stattfinden, Gastgeber ist Trump selbst. Physisch nahm Putin 2019 letztmals an einem G20-Treffen teil, vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022. Rubio berichtete zudem, Kiew und Moskau seien an einer begrenzten Waffenruhe interessiert, die Angriffe auf Getreidelieferungen und Energieanlagen stoppen könnte. Der russische Außenminister Sergej Lawrow widersprach dieser Darstellung jedoch: Nur Europa sei an einer Waffenruhe interessiert, um die Ukraine in der Zwischenzeit mit Waffen auszustatten, Moskau suche stattdessen eine umfassende Lösung.
Rheinmetall: Prognosesenkung wirkt nach
Die Kursschwäche fällt in eine Phase, in der Rheinmetall bereits mit strukturellen Fragen kämpft. Im August senkte der Konzern seine Jahresprognose auf einen Umsatz zwischen 13,70 und 14,20 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von rund 19 Prozent. Hintergrund war der Stopp des Fregattenprogramms F126 im Juni 2026: Das Vorhaben mit einem Volumen von 12,80 Milliarden Euro wurde abgebrochen, nachdem bereits rund 2,30 Milliarden Euro investiert worden waren. Deutschland wechselt stattdessen zu acht MEKO-A-200-Fregatten von thyssenkrupp Marine Systems, Rheinmetall war als Lead Contractor für das ursprüngliche Programm vorgesehen.
Als weiterer Belastungsfaktor gilt eine Einstufung von JPMorgan, das die Aktie im September auf eine sogenannte Negative Catalyst Watch gesetzt hatte. Die Analysten äußerten dabei Bedenken hinsichtlich der künftigen Umsatzstruktur, da der Anteil besonders profitabler etablierter Produkte künftig geringer ausfallen könnte, während neue Geschäftsfelder wie Drohnen, autonome Systeme und Raumfahrt teils über Gemeinschaftsunternehmen aufgebaut werden.
Einen frischen negativen Unternehmensschock gab es am Mittwoch nicht: Rheinmetall meldete einen Wartungsauftrag für vier neue LNG-Zollschiffe, einen Auftragswert nannte das Unternehmen nicht, und nahm an einer Investorenkonferenz von Berenberg und Goldman Sachs in München teil.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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