Aktien von Rheinmetall, RENK, HENSOLDT und TKMS tiefrot: Warum der Rüstungssektor unter Druck gerät
Die deutschen Rüstungsaktien rutschen am Donnerstag ins Minus - vier Wochen nachdem Rheinmetall das beste Quartal seiner Geschichte vermeldet hatte.
Werte in diesem Artikel
- Aktien von Rheinmetall, RENK, HENSOLDT und TKMS geben am Donnerstag nach
- Sektor kämpft seit Tagen mit Kritik an Qualität und Lieferzeiten
- Rheinmetalls Rekordquartal konnte die Kursschwäche zuletzt nicht stoppen
Der deutsche Rüstungssektor setzt seine Talfahrt am Donnerstag fort, nachdem die Branche seit Wochenbeginn mit kritischen Berichten über Lieferverzögerungen und Qualitätsmängel kämpft. Rheinmetall-Papiere verlieren zeitweise 1,72 Prozent auf 1.071,60 Euro, während RENK-Anteilsscheine 2,96 Prozent auf 43,26 Euro fallen. Unterdessen ermäßigen sich HENSOLDT-Aktien um 1,14 Prozent auf 81,44 Euro. Die TKMS-Aktie weist ein Minus von zeitweise 1,31 Prozent auf 82,90 Euro aus.
Rheinmetall-Aktie trifft auf Kritik von Bundeswehr und Amt
Ausgangspunkt der Schwäche ist eine Häufung kritischer Berichte über die operative Abwicklung wichtiger Rüstungsprojekte. Bundeswehr und Beschaffungsamt hatten bereits zum Wochenbeginn Verzögerungen bemängelt, zudem kursierten erneut Medienberichte über mögliche Qualitätsmängel bei Schutzplatten aus dem Rheinmetall-Konzernkreis, nachdem Berlin zuletzt mehr als 5.200 Schutzplatten aus Polizeischutzwesten wegen festgestellter Mängel aus dem Einsatz genommen hatte. Am Montag verlor die Rheinmetall-Aktie deshalb letztlich 3,79 Prozent und zählte damit zu den schwächeren Werten im DAX. Auch am Dienstag setzte sich der Kursrutsch fort, bevor es am Mittwoch zu einer Erholung kam. RENK, HENSOLDT und TKMS gerieten in der Folge ebenso unter Druck, weil Anleger ähnliche Zweifel an Fertigungsqualität und Termintreue auch bei den Wettbewerbern nicht ausschließen.
Starke Zahlen reichen nicht
Dass operative Stärke allein nicht reicht, zeigte sich bereits Anfang August. Rheinmetall meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 3,289 Milliarden Euro, ein Plus von 69 Prozent gegenüber 1,949 Milliarden Euro im Vorjahresquartal, und ein operatives Ergebnis von 562 Millionen Euro nach zuvor 262 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte auf einen Rekordwert von mehr als 80 Milliarden Euro. Die Aktie büßte am Tag der Vorlage trotzdem zeitweise rund neun Prozent ein, weil der Konzern die Umsatzprognose für 2026 nach dem Stopp des milliardenschweren Fregattenprojekts F126 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro senkte und zugleich ein deutlich negativer operativer freier Cashflow ins Blickfeld rückte.
Wohin geht die Reise für Rüstungsaktien?
Für die deutschen Rüstungswerte bleibt damit vorerst ein schwieriges Umfeld bestehen. Trotz hoher Auftragsbestände und weiterhin ambitionierter Wachstumsperspektiven rücken Fragen nach Lieferfähigkeit, Qualität und der verlässlichen Umsetzung großer Projekte zunehmend in den Fokus der Anleger. Solange diese Zweifel nicht ausgeräumt sind, dürften auch starke Geschäftszahlen allein nur begrenzte Unterstützung für die Aktienkurse bieten. Der Sektor steht damit vor der Aufgabe, nicht nur seine Produktionskapazitäten deutlich auszuweiten, sondern zugleich die operative Umsetzung der milliardenschweren Aufträge unter Beweis zu stellen.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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