Rheinmetall-Aktie erholt: Analystenkritik vs. Open-Source - RENK, HENSOLDT & TKMS uneins
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall veröffentlicht Battlesuite-Schnittstellen, während Analysten einer Großbank ihre Skepsis äußern. Was das für Anleger bedeutet.
Werte in diesem Artikel
- Rheinmetall-Aktie fällt erstmals seit Juli wieder unter 1.000 Euro
- JPMorgan setzt Aktie vor dem Kapitalmarkttag auf Negativ-Beobachtung
- Rheinmetall macht zentrale Battlesuite-Schnittstellen erstmals öffentlich
Die Rheinmetall-Aktie rutschte am Donnerstag zeitweise unter die Marke von 1.000 Euro und war auf der Handelsplattform Tradegate der mit Abstand aktivste Wert im frühen Geschäft. Damit kosteten die Papiere der Düsseldorfer erstmals seit Juli wieder weniger als 1.000 Euro und setzten ihre Korrektur nach der Zwischenerholung bis Mitte August fort. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie knapp 36 Prozent im Minus.
Im offiziellen XETRA-Handel notierte die letztlich 0,69 Prozent höher bei 1.019,40 Euro und damit wieder über der runden Marke.
An der Börse wächst laut dpa-AFX die Skepsis, ob der Rüstungskonzern seine Rekordaufträge tatsächlich in Umsatz und Ergebnis umsetzen kann. Zusätzlich belastet die Stärke der als russlandfreundlich geltenden AfD, die auf eine Annäherung an Russland setzt und damit Zweifel an der Fortsetzung der Zeitenwende bei den Verteidigungsausgaben nährt.
Rheinmetall-Aktie: JPMorgan vor Kapitalmarkttag skeptisch
Die US-Großbank JPMorgan drückt der Rheinmetall-Aktie nun sogar den Stempel "Negative Catalyst Watch" auf. Die Analysten blicken laut dpa-AFX skeptisch auf den Kapitalmarkttag im November und befürchten einen veränderten Umsatzmix mit weniger Erlösen aus den für den Konzern besonders profitablen etablierten Geschäftsfeldern wie Munition und bemannten Fahrzeugen. Die neuen Wachstumsfelder Drohnen, autonome Waffensysteme und Weltraum stammten dagegen eher aus Gemeinschaftsunternehmen. Für die konzerneigene Bilanz rechnet JPMorgan deshalb mit geringeren Ergebnisbeiträgen aus genau jenen Bereichen, auf die Rheinmetall sein künftiges Wachstum stützen will. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen alten Ertragsträgern und neuen, digital vernetzten Fähigkeiten setzt der Konzern nun einen softwareseitigen Schritt: die Öffnung zentraler Schnittstellen seiner Battlesuite-Plattform.
Battlesuite: Rheinmetall öffnet zentrale Schnittstellen
Wie der Düsseldorfer Rüstungskonzern am Mittwoch per Pressemitteilung mitteilte, veröffentlicht Rheinmetall erstmals zentrale Schnittstellenspezifikationen seiner Battlesuite als Open Source. Die sogenannte "Battlesuite Interface Collection" umfasst zunächst die Onboard API und die Tactical API und steht Industriepartnern, Forschungseinrichtungen und Kunden über GitHub frei zur Verfügung. Die Battlesuite versteht sich als herstellerunabhängige digitale Plattform, die Sensoren, Kameras, Drohnen und weitere Hardware vernetzt, sowohl für militärische Anwendungen als auch für den Schutz kritischer Infrastruktur und rein zivile Einsatzbereiche. Division-Chef Timo Haas ordnet die Schnittstellen als softwaretechnische Grundlage der Vernetzungsstrategie des Konzerns ein, Battlesuite-Leiter Ervin Kolenovic spricht von einem praktischen Schritt hin zur sogenannten "Software-Defined Defence". Für die Rüstungsbranche ist das ein Signal: Standardisierte, herstellerunabhängige Schnittstellen senken die Hürden für Zulieferer und Forschungseinrichtungen, sich frühzeitig auf große Plattformen wie die Battlesuite auszurichten, und könnten damit gerade jene neuen, stärker softwaregetriebenen Fähigkeitsfelder beschleunigen, die JPMorgan mit Skepsis betrachtet.
So reagieren die Aktien der Branchenkollegen RENK, HENSOLDT & TKMS
Neben Rheinmetall zeigten sich auch die Papiere der anderen deutschen Rüstungskonzerne am Donnerstag mit schwacher Tendenz. So gaben RENK-Aktien via XETRA zeitweise um 1,1 Prozent auf 42,34 Euro nach, während auch HENSOLDT-Anteilsscheine sich um 1,42 Prozent auf 77,50 Euro verbilligten. TKMS-Wertpapiere hatten derweil ein Minus von 0,95 Prozent auf 83,50 Euro an der Kurstafel stehen.
Worauf Anleger jetzt achten sollten
Für die Rheinmetall-Aktie bündeln sich damit zwei Entwicklungsstränge, die in den kommenden Monaten zusammenlaufen dürften. Zum einen der Kapitalmarkttag im November, auf dem der Konzern seine mittelfristigen Umsatzziele und den geplanten Produktmix konkretisieren muss, um die Bedenken von JPMorgan zu entkräften oder zu bestätigen. Zum anderen die Frage, wie schnell Industriepartner und Forschungseinrichtungen die neu veröffentlichte "Interface Collection" tatsächlich aufgreifen und in eigene Lösungen überführen. Hinzu kommt die politische Gemengelage: Bleibt die AfD in Umfragen stark, dürfte das die Debatte um die Verlässlichkeit der Zeitenwende und damit auch um Rheinmetalls Auftragsbasis weiter befeuern. Der nächste belastbare Datenpunkt für die Aktie bleibt damit der Kapitalmarkttag im November.
Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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