Rheinmetall vorne dabei: Diese drei Europa-Aktien halten Experten für unterbewertet
Europas Börsen hinken der US-Rally hinterher, doch von einer teuren Bewertung kann laut einiger Experten keine Rede sein.
Werte in diesem Artikel
- Experten sehen Europa trotz der US-Technologierally nicht als teuer bewertet
- Chancen abseits der US-Tech-Rally
- Rheinmetall-Aktie bietet laut Experten großes Aufholpotenzial
Der Stoxx Europe 600 hat seit Jahresbeginn rund 10,5 Prozent zugelegt, der marktbreite US-Index S&P 500 kommt auf 12,6 Prozent. Trotz dieses Rückstands hält Michael Field, Marktstratege für europäische Aktien bei Morningstar, den europäischen Markt für alles andere als teuer. Nach seiner Rechnung notiert der Stoxx Europe 600 nur rund 4 Prozent unter dem von Morningstar ermittelten fairen Wert, während der marktbreite US-Index sogar einen Abschlag von etwa 10 Prozent aufweist. Auf den ersten Blick wirkt der US-Markt damit sogar günstiger. Wer jedoch auf einzelne Sektoren und Aktien schaut, findet nach Fields Einschätzung deutlich größere Kurslücken, vor allem in Europa.
Künstliche Intelligenz treibt die US-Rally an
Für den Rückstand Europas macht Field vor allem ein Thema verantwortlich: künstliche Intelligenz. Im Stoxx Europe 600 zählten im vergangenen Quartal ausgerechnet die Werte mit KI-Bezug, etwa aus dem Halbleiterbereich, zu den stärksten Kursgewinnern. Nur fehlt Europa das Gegenstück zu den großen US-Technologiekonzernen, den sogenannten Magnificent Seven, die einen erheblichen Teil der Indexgewichtung und der KI-Fantasie in den USA auf sich vereinen. Genau dieses Engagement fehlt europäischen Anlegern, und genau darin sieht Field den Hauptgrund für die, wenn auch nur leicht, schwächere Wertentwicklung Europas gegenüber den USA in diesem Jahr.
Bewertungsabschlag fällt je Sektor sehr unterschiedlich aus
Auf Sektorebene zeigt sich laut Morningstar ein gemischtes Bild. Zyklische Konsumwerte handeln mit einem Abschlag von rund 16 Prozent zum fairen Wert, defensive Konsumtitel mit etwa 9 Prozent, und auch im Gesundheitswesen sieht Field nach einer längeren Belastungsphase durch Regulierung und Patentsorgen wieder Erholungspotenzial. Teurer als der breite Markt ist dagegen der Technologiesektor, der mit einem Aufschlag von rund 10 Prozent zum fairen Wert notiert. Einen Teil der Differenz zu den USA erklärt Field mit der Struktur des Konsumsektors: Europa fehlen Schwergewichte wie Walmart, die den amerikanischen Durchschnitt nach oben ziehen, während die US-Technologiewerte trotz hoher Kurse aus seiner Sicht ihr Wachstumspotenzial noch rechtfertigen.
Rheinmetall, RELX & National Grid: Drei Aktien mit Abschlag zum fairen Wert
Unter den Einzelwerten hebt Field die Rheinmetall-Aktie hervor. Der Kurs des Düsseldorfer Rüstungskonzerns hat sich seit dem Hoch binnen rund sechs Monaten nahezu halbiert, während Morningstar auf Basis der eigenen Fair-Value-Schätzung von diesem Niveau aus fast eine Verdopplung für möglich hält. Als Risiko benennt Field die Unsicherheit, ob die angekündigten höheren Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten tatsächlich in vollem Umfang umgesetzt werden.
Zweiter Name auf der Liste ist die RELX-Aktie. Das britisch-niederländische Unternehmen ist auf Software und Daten spezialisiert, unter anderem über die Rechtsdatenbank LexisNexis, und stützt sich laut Field auf proprietäre Daten, die dem Geschäft einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Der Kurs ist zuletzt im Sog der allgemeinen Skepsis gegenüber Softwarewerten gefallen, obwohl Field das Geschäftsmodell nicht zu jenen Kategorien zählt, die durch generative KI unter Druck geraten.
Als dritten Titel nennt Field die National Grid-Aktie, den britischen Betreiber des Stromnetzes. Die Erträge gelten als besonders stabil, weil sie größtenteils auf regulierten Netzentgelten beruhen. Zusätzliches Wachstumspotenzial sieht Field durch die umfangreichen Investitionen in die Modernisierung des Netzes im Zuge des Ausbaus erneuerbarer Energien, die bereits mit garantierten Kapitalrenditen verbunden sind.
Wie tragfähig diese Einschätzung bleibt, hängt auch von Risiken ab, die Field im Blick behält: Hält die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus an, könnte die Inflation neue Impulse bekommen und geplante Zinssenkungen infrage stellen. Der nächste Test für die drei Titel dürften die kommenden Quartalszahlen sowie die konkrete Umsetzung der europäischen Verteidigungsbudgets liefern.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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