Goldpreis im Blick: Bernstein kappt Preisziel für 2030, bleibt aber optimistisch
Ein Analysehaus rechnet nun mit weniger Zinssenkungen bis 2027, doch Zentralbankkäufe sollen Gold trotzdem stützen.
- Zinserwartungen drehen, Analysten justieren ihre langfristigen Ziele neu
- Zentralbanken bleiben laut Einschätzung der wichtigste Nachfragefaktor
- Häuser wie Goldman Sachs und Yardeni Research setzen unterschiedliche Akzente
Bernstein-Analyst Bob Brackett hat seine langfristige Prognose für den Goldpreis bis 2030 gesenkt, bleibt aber grundsätzlich optimistisch für das Edelmetall. Grund für die Korrektur ist eine veränderte Zinserwartung, die den realen Anlagealternativen zu Gold mehr Gewicht gibt. Am Devisen- und Rohstoffmarkt wird die Entwicklung als Teil einer breiteren Neubewertung mehrerer Analysehäuser gewertet.
Bernstein senkt Gold-Ziel für 2030
Bob Brackett von Bernstein hat sein langfristiges Preisziel für Gold für das Jahr 2030 von 6.100 US-Dollar auf 5.600 US-Dollar je Feinunze gesenkt. Auslöser ist eine veränderte Einschätzung der Zinsentwicklung: Anfang Januar 2026 war das Analysehaus noch von ein bis zwei Zinssenkungen der US-Notenbank ausgegangen, inzwischen rechnet Bernstein mit zwei bis drei Zinserhöhungen bis 2027. Die Realzinsen sind seit Anfang März von rund 1,7 Prozent auf etwa 2,7 Prozent gestiegen, was Gold als zinsloses Anlagegut tendenziell weniger attraktiv macht.
Trotz dieser historisch negativen Korrelation zwischen Gold und Realzinsen seien die Bestände der Gold-ETFs im Jahr 2026 weitgehend stabil geblieben. Auch nach der Zinserhöhung der Fed am 16. September 2026 hätten sich die Preise gut behauptet, wie Brackett festhält. Gold notierte bei 4.145 US-Dollar je Feinunze.
Zentralbanken als Stützpfeiler für den Goldpreis
Brackett sieht die Käufe der Zentralbanken weiterhin als wichtigsten strukturellen Treiber für den Goldpreis. Zentralbanken hätten in den Jahren 2022, 2023 und 2024 jeweils mehr als 1.000 Tonnen Gold gekauft, was jährlich fast ein Viertel der globalen Minenproduktion absorbiert habe. Mehrere große Reservenhalter wie China, Japan und Saudi-Arabien allokierten laut Bernstein nach wie vor weniger als 10 Prozent ihrer Reserven in Gold, während westliche Zentralbanken laut TheStreet rund 60 bis 70 Prozent halten, was Bernstein als Aufholpotenzial für die Nachfrage deutet.
Als Hauptrisiko für die eigene Prognose nennt Brackett eine Verlangsamung der Zentralbankkäufe. Zusätzlich könnten anhaltend hohe Diesel- und Raffinerieprodukt-Preise die Inflation anheizen und weitere Zinserhöhungen wahrscheinlicher machen. Ein Verlust der Kongressmehrheit von Präsident Trump bei den Zwischenwahlen könnte laut Brackett zudem die Nachfrage nach sicheren Häfen dämpfen.
Andere Häuser, andere Akzente
Die Bernstein-Revision reiht sich in eine Serie von Anpassungen mehrerer Banken ein, nachdem der Zinspfad der Fed nach der jüngsten Zinsentscheidung klarer wurde. Goldman Sachs senkte laut TheStreet die Fair-Value-Schätzung für Gold zum Jahresende 2026 von 4.900 auf 4.650 US-Dollar, ließ das Ziel für Ende 2027 mit 5.400 US-Dollar jedoch unverändert. Beide Häuser sehen steigende Realzinsen als Gegenwind, unterscheiden sich aber in der Einschätzung, wie stark Zentralbankkäufe diesen Effekt ausgleichen können: Goldman ist beim kurzfristigen Ausblick vorsichtiger, Bernstein hält die offiziellen Käufe für stark genug, um den Preis trotz steigender Renditen weiter nach oben zu tragen. Brackett verweist zudem auf die Widerstandsfähigkeit des Goldpreises zwischen 2023 und 2025, als das Metall trotz steigender Realzinsen zulegen konnte.
Gold-Anleger schauen gebannt auf Notenbanken
Für Gold-Anleger bleibt die Zinspolitik der Fed der zentrale Beobachtungspunkt, ebenso wie das Tempo der Zentralbankkäufe, das Bernstein selbst als größtes Risiko für seine Prognose benennt. Ob weitere Analysehäuser ihre langfristigen Ziele in den kommenden Wochen ähnlich anpassen, dürfte sich an den nächsten Zinsentscheidungen und Notenbank-Reservedaten zeigen.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Goldpreis
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Goldpreis
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Bulent camci / Shutterstock.com, Peeradach Rattanakoses / Shutterstock.com


