Öl- und Zinsrisiken

Debasement-Trade zurück: Warum der Goldpreis wieder Fahrt aufnimmt - und Analysten skeptisch bleiben


Debasement-Trade zurück: Warum der Goldpreis wieder Fahrt aufnimmt - und Analysten skeptisch bleiben

Nach Wochen der Erholung nimmt der Goldpreis wieder Fahrt auf - doch Analysten sehen im Hintergrund weiter Risiken lauern.

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  • Goldpreis-Rally nimmt wieder Fahr auf
  • Debasement-Trade lebt nach Treasury-Ankündigung neu auf
  • TD Securities und MKS PAMP warnen vor Öl- und Zinsrisiken
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Der Goldpreis nimmt nach einer monatelangen Korrektur wieder spürbar Fahrt auf: Am Freitag klettert der Preis auf bis zu 4.490 US-Dollar und konnte im Wochenverlauf sogar noch höher steigen. Zuvor hatte der Markt rund 30 Prozent seines Allzeithochs eingebüßt. Analysten erklären die neue Aufwärtsdynamik laut Kitco mit einer Rückkehr des sogenannten Debasement-Trade, nachdem das US-Finanzministerium angekündigt hatte, langlaufende Anleihen aufzukaufen, um die Zinskosten des Staates zu drücken. Für Anleger bedeutet das: Die Wette auf eine schleichende Entwertung des US-Dollar durch steigende Staatsschulden gewinnt an Fahrt und rückt Gold erneut in den Fokus als Absicherung.

Treasury-Ankündigung befeuert die Debasement-Wette

Auslöser der Bewegung ist gemäß Kitco eine Warnung von Bart Melek, Head of Commodity Strategy bei TD Securities, einer Tochtergesellschaft der Toronto-Dominion Bank. Er verweist auf die wachsende Sorge der Investoren um die Fiskallage der USA, nachdem die Staatsschulden in der vergangenen Woche die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten hatten. Nach seiner Einschätzung könnten sich die Eingriffe des Finanzministeriums in den Anleihemarkt noch verschärfen, was den US-Dollar weiter schwächen und Gold zusätzlichen Rückenwind geben dürfte. Bislang zeigt der geplante Rückkauf von Anleihen durch Finanzminister Scott Bessent laut dem Bericht kaum Wirkung am langen Ende der Zinskurve: 30-jährige Anleihen rentieren bei 5,23 Prozent, 10-jährige bei rund 4,70 Prozent. Für die Käufe kann das Ministerium demnach auf knapp eine Billion US-Dollar aus seinem General Account zurückgreifen.

Ölpreis und Zinsrisiko als Gegenwind

So bullish TD Securities für Gold in diesem Umfeld auch ist: Melek sieht weiterhin Gegenwind durch steigende Energiepreise, die die Inflationssorgen befeuern, und hält die Hürde für eine Zinsanhebung der Fed für niedrig. „Ein Anstieg auf unser Kursziel von 5.350 US-Dollar ist derzeit noch verfrüht", zitiert Kitco den Analysten. Auch Nicky Shiels, Head of Research and Metals Strategy bei MKS PAMP, sieht im Debasement-Trade ein Muster mit Wiederholungscharakter: Verlaufe es wie im Vorjahr, berge das Thema erhebliches Potenzial für Gold und könnte sich laut Shiels zu einem strukturellen Motiv entwickeln, das Privatanleger in eine regelrechte FOMO-Blase treiben könnte. Gleichzeitig räumt sie ein, dass der Kurs taktisch bereits übertrieben haben könnte, und auch sie sieht die Schwelle für eine Zinserhöhung als niedrig an.

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Gold als Absicherung gegen zwei gegenläufige Kräfte

Trotz des Zinsrisikos bleibt Gold nach Einschätzung von Shiels, auf die sich Kitco beruft, der sauberste Hedge gegen eine Geldentwertung und gegen politische Eingriffe in den US-Anleihemarkt zugleich. Sie beschreibt die Gemengelage so, dass eine Institution auf Straffung setze, die andere auf Lockerung, beide aber an derselben Zinskurve ansetzten. Zusätzlichen Auftrieb liefere die Ölseite: Bei einem historisch hohen Brent-Preis, engen Diesel- und Produktmärkten und steigenden Crack-Spreads könnten reale Renditen und Inflationserwartungen weiter zulegen, selbst wenn dem Finanzministerium die Deckelung der nominalen Zinsen gelingen sollte. Damit entstehe ein zusätzlicher, vom eigentlichen Debasement-Narrativ unabhängiger Rückenwind für Gold. Den Namen Debasement-Trade prägten laut Kitco ursprünglich Rohstoffanalysten von JPMorgan für die Gold-Rally des vergangenen Jahres, als eine breite globale Abkehr vom US-Dollar in der zweiten Jahreshälfte 2025 den Preis im Januar auf ein Rekordhoch von 5.600 US-Dollar trieb.

Ob sich die Dynamik fortsetzt, dürfte sich vor allem daran entscheiden, wie das Finanzministerium seine Anleihekäufe in den kommenden Wochen tatsächlich umsetzt und ob die Fed angesichts der Ölpreisentwicklung tatsächlich zu einer Zinsanhebung greift. Beide Fragen bleiben offen und dürften die nächsten Kursimpulse für Gold liefern.

Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

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