Goldpreis vor der Zinsentscheidung: UBS erwartet selbst bei einer Erhöhung nur einen kurzen Rücksetzer
Kurz vor der Zinsentscheidung der Fed sortiert die UBS neu, was den Goldpreis wirklich bewegt und was ihn selbst bei steigenden Zinsen stützt.
- UBS erwartet bei Zinserhöhung nur einen kurzen Rücksetzer beim Gold
- Ohne Zinsschritt dürfte der Goldpreis nach Lesart der UBS deutlicher anziehen
- Notenbankkäufe, ETF-Zuflüsse und Nachfrage aus Indien stützen den Markt
Zwei Tage vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch dämpft die UBS die Nervosität am Goldmarkt: Eine Zinserhöhung könnte den Goldpreis kurzfristig zwar nach unten schicken, den übergeordneten Aufwärtstrend aber kaum brechen. Strategin Joni Teves argumentiert in ihrer Notiz von vergangenem Mittwoch, dass die Stärke des Edelmetalls nach den US-Arbeitsmarktdaten kein Zeichen dafür sei, dass Zinsen nicht mehr zählten. Vielmehr habe der Markt die verschärften Zinserwartungen bereits weitgehend verarbeitet. Für Anleger verschiebt das die entscheidende Frage weg vom reinen Ob der Erhöhung hin zu den Kräften, die den Preis auch bei Gegenwind tragen.
Zinserhöhung oder Pause: zwei Szenarien für den Goldpreis
Teves rechnet bei einer Anhebung mit einer reflexartigen Korrektur, weil Realzinsen und US-Dollar zunächst anziehen dürften. Nachhaltig sei ein solcher Rücksetzer aber nicht: Saisonale physische Nachfrage und Käufe institutioneller wie staatlicher Investoren zu tieferen Kursen sollten den Rückgang begrenzen. Bleibt der Zinsschritt aus, dürften Anleger dem Metall hinterherlaufen, zumal eine Pause die Debatte um die Unabhängigkeit der Notenbank neu befeuern könnte. Unterm Strich sieht die UBS die Risiken zweiseitig, aber nach oben geneigt. Gold bleibe anfällig für überraschend straffe Signale, reagiere inzwischen aber empfindlicher auf positive Auslöser.
Was den Goldpreis stützt: Notenbanken, ETFs und Indien
Hinter der Widerstandskraft steht vor allem die Nachfrage der Notenbanken. Nach Angaben der UBS stockte allein China im August rund 20 Tonnen auf und kommt damit im laufenden Jahr auf etwa 80 Tonnen, den stärksten Lauf seit Ende 2023. Der World Gold Council meldete für das zweite Quartal 2026 netto rund 289 Tonnen an Notenbankkäufen, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und den stärksten je gemessenen Wert für ein zweites Quartal, angeführt von Polen und China. Dazu kommen wieder anziehende Zuflüsse in Gold-ETFs, eine belebtere Handelsaktivität in China und die näher rückende Saisonnachfrage aus Indien. Das Verhältnis von Chancen und Risiken sieht die UBS bis zum Jahresende damit klar nach oben geneigt.
Höhere Kursziele, aber eine klare Abhängigkeit
Wie weit die Kursfantasie am Goldmarkt reicht, zeigt ein neues Bewertungsmodell von Jefferies, das stärker auf die Reservepolitik der Notenbanken und die Staatsdefizite abstellt als auf Realzinsen und US-Dollar. Das Haus nennt drei Extremszenarien, von denen jedes für sich Gold über 5.000 US-Dollar je Feinunze tragen könnte, und peilt zum Jahresende 2026 rund 4.650 US-Dollar an. Auch Goldman Sachs traut dem Metall bis Jahresende rund 4.900 US-Dollar zu, gestützt auf etwa 50 Tonnen monatlicher Notenbankkäufe.
Der Aufschlag hat allerdings eine Schwachstelle. Die Rally hängt stark an eben diesen Käufen. Drosseln Staaten wie Polen oder China ihr Tempo oder drehen sie ins Verkaufen, bricht eine zentrale Stütze weg. Hinzu kommt die Gefahr eines deutlich restriktiveren Kurses von Notenbankchef Kevin Warsh, der über steigende Realzinsen und einen festeren US-Dollar unmittelbar auf den Goldpreis durchschlägt.
Nun rückt für Anleger der Zinsentscheid der Fed am Mittwoch in den Fokus. Entscheidend wird weniger der Zinsschritt selbst als der Ton von Warsh auf der anschließenden Pressekonferenz und die aktualisierten Projektionen, an denen der Markt abliest, wie lange die Zinsen oben bleiben.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Goldpreis
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Goldpreis
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Brian A Jackson / Shutterstock.com, hidesy / Shutterstock

