Banken: Green Asset Ratio als Steuerungsgröße für Transformation ungeeignet
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Der Bundesverband deutscher Banken sieht nur eine begrenzte Aussagekraft der Green Asset Ratio (GAR), die die Banken im Zuge der Taxonomievorgaben für nachhaltige Anlagen ab 2024 berichten sollen. Als Steuerungsgröße für die Transformation sei sie "ungeeignet", sagte Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff bei der Vorstellung einer Studie zum Taxonomieprofil der Industrie. Ab 2024 soll die Green Asset Ratio für Banken als zentrale Kennzahl den ökologisch nachhaltigen Anteil der Bilanz beziffern. Sie soll damit das Nachhaltigkeitsprofil einer Bank beschreiben.
"Um bei der Transformation voranzukommen, müssen wir wissen, wo wir beim Umbau der Wirtschaft stehen", sagte Herkenhoff. "Dafür brauchen wir transparente Nachhaltigkeitsprofile von Unternehmen." Die Analyse der Taxonomiequoten von über 450 Unternehmen zeige: "Die GAR bildet die Nachhaltigkeitsprofile der Banken nur unzureichend ab". So erfasse die Taxonomie nur etwa 30 Prozent der Wirtschaft überhaupt. Nur so hoch liege laut der Studie der taxonomiefähige Anteil der Umsätze. "70 Prozent können damit im regulatorischen Sinne nicht nachhaltig sein. Die Bilanzen der Banken spiegeln jedoch die gesamte Wirtschaft wider", sagte Herkenhoff. Zudem erfüllten bislang erst 7 Prozent der erfassten Wirtschaft die Kriterien der Taxonomie, seien also taxonomiekonform.
"Die Green Asset Ratio ist als Steuerungsgröße für die Transformation ungeeignet", betonte Herkenhoff. Politische oder regulatorische Folgemaßnahmen sollten sich daraus nicht ableiten. "Wir stehen erst am Anfang der Transformation und sollten uns vom 'Grün-oder-Nicht-Grün'-Denken verabschieden", sagte der Bankenverbandschef. Die Transformation der Wirtschaft sei ein Prozess und kein Zustand. Daher forderten die privaten Banken keine reine Erweiterung der Taxonomie.
Auch Windparks einbeziehen
Vielmehr solle der Blick auch auf jene Unternehmen gerichtet werden, die den Weg in Richtung Nachhaltigkeit gerade erst begonnen hätten oder kurz davorständen. "Genau hier setzt Transition Finance an, dafür brauchen wir einen prinzipiengeleiteten Rahmen", erklärte Herkenhoff. Um die Aussagekraft der GAR zumindest ansatzweise zu verbessern, sollten zunächst Methodikfehler behoben werden. Vor allem sollten Projektfinanzierungen darin einfließen können - zum Beispiel Windparks.
"Die Herausforderungen sind riesig, und die Zeit drängt. Gerade bei langlebigen Investitionen müssen die Weichen gestellt werden, damit in Zukunft sauber produziert werden kann", sagte Herkenhoff bei seiner Pressekonferenz. Die Europäische Union (EU) schätze den Kapitalbedarf für diesen Umbau auf 620 Milliarden Euro jährlich. "Im Vergleich: Die Deutsche Bahn, der Bund und die Länder investieren pro Jahr gerade einmal 13,6 Milliarden Euro in den Ausbau ihres Netzes und ihrer Infrastruktur. Wir brauchen also für die Transition insgesamt das 45-Fache - jährlich."
Herkenhoff betonte, die Unternehmen in Deutschland hielten sich bislang jedoch mit Investitionen zurück: "Es wird zu wenig investiert, und es werden zu wenig Kredite für Investitionen nachgefragt." Die Unsicherheit über die zukünftigen Rahmenbedingungen führe zu Attentismus. Die Transformation habe aber enormes wirtschaftliches Potenzial. "Das sollten wir jetzt abrufen", mahnte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.
In der Studie wurden laut dem Verband Mitglieder der Indizes der zehn wirtschaftsstärksten Volkswirtschaften der EU und an EU-Börsen notierte Unternehmen des Indexes Stoxx Europe 600 untersucht. Auf Basis der primären Wirtschafsaktivität sei dabei jedes Unternehmen einer Industrie, einem Supersektor, einem Sektor und einem Subsektor zugeordnet worden. Ausgewertet wurden laut den Angaben die taxonomiefähigen und taxonomiekonformen Anteile der Umsätze und Investitionsausgaben.