Banken im 4. Quartal laut Europäischer Bankenaufsicht gut mit Kapital ausgestattet und liquide
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Lage des EU-Bankensektors ist nach Angaben des Bankenregulierers Eba im vierten Quartal 2021 gut gewesen. Laut Eba-Mitteilung blieben Eigenkapitalausstattung und Liquidität unverändert solide, die Asset-Qualität verbesserte sich, und auch die Gewinne waren etwas höher als vor der Pandemie. Besorgt äußerte sich die Eba über die Qualität von Krediten, die Zahlungsmoratorien oder staatlichen Garantien unterlagen. Bei diesen Einschätzungen handelt es sich aber nur um eine Momentaufnahme. Der Ukraine-Krieg dürfte die Lage der Banken laut Eba verschlechtern, auch wenn dies noch nicht in Zahlen zu fassen ist.
1. Eigenkapitalausstattung unverändert
Die CET1-Quote betrug unter der Annahme der vollen Geltung erst später in Kraft tretender Anforderungen ("fully loaded") wie im dritten Quartal 14,5 Prozent. Etwas höhere Risikoaktiva wurden durch etwas mehr Eigenkapital ausgeglichen. Die ungewichtete Eigenkapitalquote (Leverage Ratio) erhöhte sich um 10 Basispunkte auf 5,8 Prozent.
2. Asset-Qualität bessert sich
Der Anteil notleidender Kredite (NPL) am insgesamt ausstehenden Volumen sank auf 2 Prozent. Das NPL-Volumen sank um 7 Prozent, woran Ländern mit hohen NPL-Quoten einen größeren Anteil hatten. Unter den Geschäftsfeldern waren Gewerbeimmobilien das mit dem stärksten Rückgang, hier sank die NPL-Quote auf 4,9 (5,4) Prozent. Die Quote der wertgeminderten Kredite (Stage 2) ging auf 8,7 (8,9) Prozent zurück. Die Quote der umstrukturierten Kredite (forborn) blieb bei 2 Prozent.
3. Weniger Kredite unter Moratorien
Das Volumen der Kredite unter Zahlungsmoratorien nahm auf 12 (50) Milliarden Euro ab. Die Kredite unter abgelaufenen Moratorien beliefen sich auf 704 Milliarden Euro. Das Volumen von staatlich garantierten Krediten betrug unverändert 373 Milliarden Euro. 90 Prozent dieser Kredite konzentrierten sich auf Frankreich, Italien und Spanien. Die NPL-Quote der beiden letztgenannten Kreditkategorien erhöhte sich auf 5,5 (4,9) bzw. 3,1 (2,4) Prozent. Über 20 Prozent dieser Kredite sind wertgemindert (Stage 2).
4. Profitabilität besser als vor Corona
Die Eigenkapitalverzinsung sank zwar auf 7,3 (7,7) Prozent, war aber immer noch höher als im vierten Quartal 2019 (5,7 Prozent). Die Nettozinsmarge blieb in der Nähe ihres historischen Tiefs, die Banken meldeten aber einen Anstieg von 2 Basispunkten auf 1,26 Prozent. Die Zinseinnahmen blieben die wichtigste Einnahmequelle, doch stieg der Anteil der Gebühren- und Kommissionseinnahmen auf 32,5 (30,5) Prozent.
5. Liquidität weiter reichlich vorhanden
Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) blieb auf ihrem im dritten Quartal verzeichneten Rekordwert von 174,4 Prozent. Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen betrug 108,6 (108,2) Prozent.
6. Auswirkungen des Ukraine-Kriegs
Die direkte Exponierung von EU-Banken gegenüber Russland und der Ukraine beziffert die Eba auf rund 87 Milliarden Euro. Höher als 2 Prozent ist die Exponierung nur bei österreichischen und ungarischen Instituten. Die möglichen Auswirkungen für die Banken über Marktbewegungen sind laut Eba schwer einzuschätzen. Das gilt auch für die indirekten Auswirkungen durch die Eintrübung des makroökonomischen Umfelds. Ein niedrigeres Wirtschaftswachstum könnte die positiven Effekte höherer Zinsen kompensieren. Zudem erwähnt die Eba das höhere Risiko von Cyber-Attacken.
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April 01, 2022 04:16 ET (08:16 GMT)