Übernahmekrimi vor dem Finale: Commerzbank-Aktie trotzt der UniCredit-Offerte weiter
Der Countdown für die Commerzbank-Übernahme läuft, doch der Markt spricht eine andere Sprache als die Bieter aus Mailand.
Werte in diesem Artikel
• Annahmefrist für Commerzbank-Aktionäre endet am 3. Juli
• Commerzbank lehnt Angebot weiter ab
• Annahmequote bleibt umstritten zwischen beiden Banken
Für die Commerzbank tickt die Uhr. Am 3. Juli 2026 endet die weitere Annahmefrist für das unabgestimmte Übernahmeangebot der UniCredit, das finale Ergebnis will die Mailänder Großbank am 8. Juli vorlegen. Doch je näher der Stichtag rückt, desto klarer widerspricht der Kurs dem Angebot: Die Commerzbank-Aktie notiert am Dienstag auf XETRA bei 37,34 Euro - 0,76 Prozent höher als am Vortag und lag damit seit Bekanntwerden der Offerte die meiste Zeit über dem, was die UniCredit über das feste Tauschverhältnis bietet. Wer jetzt andient, tauscht zum Marktpreis nach unten.
Was UniCredit bietet, und warum der Markt es ausschlägt
Das Angebot ist seit dem 5. Mai 2026 in der Welt, als die italienische Bank die Angebotsunterlage veröffentlichte. Geboten werden 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Anteil, eine Barkomponente fehlt. Zum Kurs der Italiener von rund 67 Euro am Angebotstag entsprach das etwa 32,50 Euro je Commerzbank-Aktie und bewertete die Bank mit rund 35 Milliarden Euro. Schon damals notierte die Commerzbank-Aktie darüber. Vorstand und Aufsichtsrat lehnten in ihrer Stellungnahme nach Paragraf 27 WpÜG am 18. Mai ab: Das Gebot spiegele den fundamentalen Wert nicht wider und enthalte keine angemessene Prämie. Rechnet man den Dividendenabschlag auf die UniCredit-Aktie aus deren Ausschüttung im November 2026 ein, an der andienende Aktionäre nicht teilhaben, wird aus der Offerte sogar ein Abschlag.
Die Kursentwicklung seit dem Angebot
Genau hier liegt der Knackpunkt für Anleger: Seit die Mailänder die Offerte am 16. März 2026 ankündigten und am 5. Mai formalisierten, hielt sich die Commerzbank-Aktie auf XETRA die meiste Zeit über dem in UniCredit-Aktien bemessenen Angebotswert. Beide Titel legten im Zuge des Übernahmestreits zu, was den Wert des Gebots rechnerisch mit anhob, der Aktienkurs der Commerzbank blieb jedoch dauerhaft im Vorteil. Eine Annahme bedeutete damit über weite Strecken einen Verlust gegenüber dem Marktpreis. Zum 29. Juni hat sich diese Schere fast geschlossen: Dem Schlusskurs von 37,06 Euro stand ein Angebotswert von rund 37,23 Euro gegenüber, errechnet aus 0,485 UniCredit-Aktien zu je 76,76 Euro. Erst der zu erwartende Dividendenabschlag des italienischen Finanzhauses drückt das Gebot wieder unter den Börsenkurs.
Annahmequote: zwei Lesarten
Auch die Zahlen zur Annahme erzählen je nach Erzähler eine andere Geschichte. Die UniCredit meldete nach Ablauf der regulären Frist am 16. Juni rund 12,5 Prozent angediente Aktien. Zusammen mit den knapp 27 Prozent direkt gehaltenen Anteilen ergäbe das rechnerisch gut 39 Prozent, über Optionen und weitere Instrumente kommt die UniCredit nach eigener Rechnung auf bis zu rund 44 Prozent.
Die Commerzbank rechnet anders: Vom angedienten Volumen stammten gut 11 Prozent von Banken, nur etwa 1,3 Prozent von institutionellen Investoren und 0,05 Prozent von Privatanlegern. Unabhängige Aktionäre hätten damit kaum mehr als 1 Prozent eingeliefert, die Aktionärsstruktur sei praktisch unverändert. Der Bund bleibt mit etwas mehr als 12 Prozent ohnehin an Bord. Zur Klärung hat die Commerzbank die BaFin eingeschaltet, der Gesamtbetriebsrat erstattete Strafanzeige wegen mutmaßlicher Marktmanipulation.
Für Anleger bleibt der Fahrplan klar abgesteckt. Am 8. Juli legt der Übernahmeinteressent das Endergebnis der weiteren Frist vor. Reicht es nicht für die angestrebte Mehrheit, steht die Bank vor der Wahl, nachzubessern oder den Vorstoß vorerst ruhen zu lassen, zumal der eigentliche Abschluss wegen ausstehender Genehmigungen ohnehin erst 2027 erwartet wird.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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