Baumaschinenhersteller rechnen mit Minus von 10 bis 30 Prozent
BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Baumaschinenindustrie erwartet infolge der Corona-Pandemie keinen so harten Einschnitt wie während der Finanzkrise 2008/2009. Erwartet werde ein Umsatzrückgang von 10 bis 30 Prozent zum Jahresende, wie der VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen mitteilte. Damals lag der Einbruch bei den Baumaschinen bei 52 Prozent und bei den Baustoffanlagen zwischen 21 und 30 Prozent bis zum Jahr 2017, sagte der zuständige VDMA-Chef Franz Josef Paus. Insgesamt sei festzustellen, "dass wir die Krise bis heute recht gut meistern konnten".
Hilfreich sei, dass die Baumaschinenbranche von zwei regelrechten Boomjahren kam. Gerade beim weltweiten Absatz habe es einen beispiellosen Aufschwung gegeben mit 2019 als Rekordjahr, sagte VDMA-Experte Sebastian Popp. Die meisten Unternehmen erzielten im ersten Quartal 2020 daher noch akzeptable Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Auftragseingang lag bei Baumaschinen mit 6 Prozent im Plus, vor allem durch die starken Monate Januar und Februar. Die Baustoffanlagen drehten im selben Zeitraum mit 22 Prozent ins Minus.
Mit der Corona-Krise sei das Geschäftsklima der europäischen Baumaschinenindustrie nun aber beispiellos abgestürzt: "Der April war der Monat, in dem wir den stärksten jemals gemessenen Rückgang gesehen haben", sagte Popp. Während die Lieferketten weitgehend stabil blieben, litten vor allem die Auftragseingänge.
Auftragseinbrüche bei 87 Prozent der befragten Unternehmen
In einer Blitzumfrage des VDMA gaben Ende März noch 57 Prozent der Unternehmen an, dass sie signifikante oder starke Rückgänge beim Auftragseingang hinnehmen mussten. Anfang Mai waren es bereits 87 Prozent - vorwiegend in Europa und den USA, China spiele dabei kaum eine Rolle. Die stärksten Verluste mit über 30 Prozent erwartet die Ziegelzulieferindustrie, gefolgt von Zulieferern der Zementbranche (20 Prozent) und der grobkeramischen Industrie (15 Prozent).
In der Bauindustrie selbst sahen sich im April 58 Prozent der Unternehmen in ihrer Leistungsbringung gehindert. Gründe waren vor allem fehlende Materiallieferungen, die notwendigen Organisations- und Hygienemaßnahmen, behördliche Quarantäneauflagen oder ein hoher Krankenstand. "Das größte Sorgenkind wird in diesem Jahr der Wirtschaftsbau", sagte die Sprecherin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), Inga Stein-Barthelmes. Wegen der Wirtschaftskrise rechnet der Verband damit, dass geplante Projekte verzögert oder abgesagt werden.
Umso wichtiger seien daher Aufträge der öffentlichen Hand. Wenn Kommunen in massive Finanzierungsprobleme geraten, drohten geplante Infrastrukturprojekte zurückgenommen zu werden, so Stein-Barthelmes. Die Bauindustrie fordert deshalb einen Schutzschirm für Kommunen. Auch Konjunkturpakete würden begrüßt, da davon indirekt sowohl die Bau- als auch die Baumaschinenindustrie profitieren würde, erwarten die beiden Verbände.
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May 13, 2020 07:00 ET (11:00 GMT)