Bauwirtschaft stellt sich wegen Ukraine-Krieg auf schwieriges Jahr ein
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Die Bauwirtschaft stellt sich trotz des guten Starts in das Jahr auf Kurzarbeit ein. Als Grund nennt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie die durch den Ukraine-Krieg verursachten Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Baumaterial. Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) erwartet ein schwieriges Jahr.
Zwar hätten die Bauunternehmen für den Monat Februar preisbereinigt ein Umsatzplus von 11,0 Prozent und einen Anstieg der Aufträge um 9 Prozent verzeichnet. Diese bis Februar hohe Bautätigkeit spiegle aber noch nicht die aktuelle Situation wider, wie der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, erklärte.
Die Ergebnisse der aktuellen Verbandsumfragen der Bauindustrie deuteten auf Verzögerungen bei einzelnen Projekten hin. Demnach meldeten 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer solche Verzögerungen. Außerdem hätten 30 Prozent angegeben, von Stornierungen betroffen zu sein. Laut der Umfrage berichteten 40 Prozent sogar, dass der Auftraggeber sein Projekt erst einmal zurückgestellt hat.
"Für die kommenden Monate ist dies bedenklich. Wir stellen uns darauf ein, dass Unternehmen bald Kurzarbeit anmelden müssen", erklärte Müller.
Schwieriges Jahr für Wirtschafts- und Wohnungsbau
Nach Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe haben die Sanktionen gegen Russland und ausbleibende Importe aus der Ukraine zu neuerlichen Problemen bei der Verfügbarkeit und erheblichen Preiserhöhungen von Baustoffen geführt.
Demnach berichten nach einer aktuellen Umfrage des Verbands 80 Prozent der Unternehmen über Lieferschwierigkeiten bei Material. Das betreffe insbesondere Stahl- und erdölbasierte Produkte wie Bitumen, Kunst- und Dämmstoffe.
"Gerade hier verzeichnen wir erhebliche Preiserhöhungen, die die Unternehmen auch versuchen müssen, an die Kunden weiterzugeben. Bei laufenden Verträgen ist das problematisch. Und bei neuen Verträgen geben das die Budgets der Kunden nicht immer her", erklärte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.
Als Konsequenz kämen angebahnte Verträge häufig nicht mehr zum Abschluss und zur Umsetzung. Weniger als ein Viertel der im Verband repräsentierten Bauunternehmen erwarten daher 2022 noch höhere Umsätze, gut 40 Prozent hingegen niedriger Umsätze als in 2021.
"Uns steht ein schwieriges Jahr bevor", so Pakleppa. "Das gilt insbesondere für den Wirtschaftsbau und den öffentlichen Bau. Aber auch der Wohnungsbau, bisher Impulsgeber der Bauwirtschaft, verliert an Schwung." Das abrupte Förder-Aus bei der KfW-Förderung bringe demnach Bauherren in Schwierigkeit, ihre Finanzierungen darzustellen.