BDI und IG Metall fordern von Politik richtige Weichenstellung
BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Industrie und die Industriegewerkschaft IG Metall haben gemeinsame Handlungsempfehlungen zur Sicherung industrieller Wertschöpfung in Deutschland vorgelegt und von der Politik die richtige Weichenstellung gefordert. Dringender Handlungsbedarf besteht laut diesem selbsternannten "Bündnis Zukunft der Industrie" in der Sicherung der Energieversorgung, der Steigerung der Resilienz, der Weiterentwicklung der Rohstoffstrategie sowie der Beschleunigung der Transformation hin zu klimaneutralen und digitalen Produktionsprozessen. Außerdem müsse in moderne Infrastruktur investiert und Lösungen für den Fachkräftemangel erarbeitet werden.
Zusätzlich zu den Folgen der Corona-Pandemie, unterbrochenen Lieferketten und Veränderungen der globalen Lieferbeziehungen seien Industrieunternehmen mit dramatisch steigenden Energiepreisen, Knappheiten bei Rohstoffen und Zulieferprodukten sowie deren konjunkturellen Auswirkungen konfrontiert. Gleichzeitig stehe die deutsche Industrie mit ihren Beschäftigten mitten in der grünen und digitalen Transformation.
"Wir sind überzeugt, dass wir ökologische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit, stabile Finanzen und wirtschaftlichen Erfolg mit Investitionen in eine erfolgreiche, nachhaltig wirtschaftende Industrie verbinden können", erklärte das Bündnis seinem Papier mit Vorschlägen für den Industriestandort Deutschland. Man trage gemeinsam Verantwortung für den Umbau.
Politik muss richtige Weichenstellung vornehmen
Aber sie nahmen auch die Politik in die Pflicht, den Unternehmen mit richtigen Weichenstellungen den Umbau zu erleichtern. "Für ein klimaneutrales Industrieland sind Unternehmen und ihre Beschäftigte auf eine Politik angewiesen, die Innovationen und Investitionen stärkt", forderte Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands Deutscher Industrie (BDI). "Im Fokus sollten schnellere und einfachere Planungs- und Genehmigungsverfahren stehen sowie der Aufbau neuer europäischer Wertschöpfungsnetzwerke. Trotz der multiplen Krisen muss die Politik jetzt die Stärkung des Industriestandorts entschlossen vorantreiben."
Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, betonte, man müsse die gegenwärtigen Krisen als Chance nutzen, um die Transformation noch entschlossener voranzutreiben und so industrielle Wertschöpfung und damit auch gute Arbeitsplätze langfristig zu sichern. "Es kommt darauf an, jetzt die richtigen Weichen zu stellen und in Technologien und Märkte der Zukunft zu investieren. Die Politik muss dafür die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen", forderte Hofmann. Besonders dringend sei der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien und der schnellere Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Dabei sei klar, dass der klimagerechte Umbau der Industrie nur dann gelingen werde, wenn man ihn ökologisch, sozial und gerecht gestalte.
Die Vorschläge des Bündnisses sollen in den kommenden Wochen im Rahmen einer bundesweiten Dialog-Initiative in verschiedenen Foren diskutiert werden. Geplant ist zudem auf Einladung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) für den 29. November eine Industriekonferenz mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft.