Berenberg: Konjunkturerholung bleibt trotz mehr Corona-Infektionen intakt
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Konjunkturerholung im Euroraum dürfte nach Einschätzung der Berenberg Bank trotz der wieder wachsenden Corona-Infektionszahlen intakt bleiben. Chefvolkswirt Holger Schmieding erwartet, dass es den Behörden gelingen wird, die Ausbreitung des Virus mit moderateren Maßnahmen als im Frühjahr abzubremsen. Die daraus resultierende kurzfristige Schwäche in einigen Bereichen des Dienstleistungssektors dürfte dann durch eine Erholung in der Industrie mehr als ausgeglichen werden.
"Nach einem Start in das dritte Quartal, der laut den Umfragedaten etwas besser als von uns erwartet ausgefallen ist, dürfte die Euroraum-Wirtschaft trotz wohl etwas schwächerer Daten aus einigen Dienstleistungsbereichen um rund 8 Prozent wachsen", schreibt Schmieding in einer Studie. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 12,1 Prozent gesunken.
Schmieding weist darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil dieses erwarteten Anstiegs auf einem Basiseffekt beruht. "Jedes Quartal, dass keinen 'Lockdown-Monat' wie den April enthält, wird besser als das zweite Quartal aussehen", schreibt Schmieding. Selbst wenn die Aktivität auf dem Niveau des Juni verharren würde, käme für das dritte Quartal insgesamt noch ein Plus von 5 Prozent heraus.
Der Berenberg-Chefvolkswirt räumt ein, dass die Prognose-Unsicherheit wegen Corona ungewöhnlich hoch ist. Drei Punkte stimmen ihn aber zuversichtlich, dass der jüngste Anstieg der Infektionszahlen in Europa weder neue Lockdowns noch starke Reaktionen von Konsumenten oder Unternehmen nach sich ziehen werden.
1. Die US-Arbeitsmarktzahlen deuten darauf hin, dass Verhaltensänderungen und neue Restriktionen in Teilen des Landes das Tempo der dortigen Konjunkturerholung nur moderat bremsen. Trotz dämpfender Wirkungen für den Dienstleistungssektor und Arbeitsmarkt scheinen Angebot und Nachfrage insgesamt weiter zu steigen.
2. Die europäischen Länder reagieren auf neue regionale Ausbrüche schnell und ohne größere politische Rücksichtnahmen. Die Ereignisse im März haben gezeigt, dass das wichtig ist.
3. Zwar steigen die Infektionszahlen in Europa seit einiger zeit, dies aber weitaus weniger stark als in den USA. Eine höhere Disziplin beim Abstandhalten und dem Tragen von Schutzmasken dürfte ausreichen, die Zahlen wieder sinken zu lassen. Stärkere Restriktionen in Bezug auf das Nachtleben oder große Familienfeiern würden die Wirtschaftsaktivität kaum beeinträchtigen. Hilfreich sei auch die höhere Aktivität bei den Corona-Tests.
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August 19, 2020 03:05 ET (07:05 GMT)