Berenberg: Mehr Anti-Corona-Maßnahmen ließen Euroraum-BIP kurz sinken


Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Striktere Maßnahmen gegen die beschleunigt steigenden Corona-Infektionszahlen würden das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums nach Einschätzung der Berenberg Bank im vierten Quartal vorübergehend sinken lassen. Chefvolkswirt Holger Schmieding ist aber überzeugt, dass eine stärkere Abbremsung am Jahresende eine umso kräftigere Erholung im nächsten Jahr nach sich ziehen würde - auch dank der Fortschritte bei der medizinischen Bekämpfung des Virus.

Werbung

Schmieding sieht wegen des stark saisonalen Verhaltens des Coronavirus für die nächsten Monate das Risiko weiter zunehmender Infektionsraten und ernsthafter medizinischer Komplikationen. Allerdings hat er die Hoffnung, dass die Staaten auch die zweite Welle des Virus unter Kontrolle bekommen können. Der Vergleich von Ländern mit ähnlich klimatischen Bedingungen wie Schweden/Dänemark und Großbritannien/Deutschland im Frühjahr oder Deutschland/Tschechien in der zweiten Welle zeige, dass die Art der Reaktion einen Unterschied mache.

Schmieding hofft, dass der konjunkturelle Schaden in der zweiten Welle auf ein vermindertes Angebot beschränkt bleiben wird. "Das Risiko, dass Haushalte und Unternehmen die Wirtschaft in eine tiefere Rezession stoßen, indem sie ihre Nachfrage deutlich über den Angebotsschaden hinaus zurückfahren, sollte geringer als vor sieben Monaten sein", prognostiziert er.

Der Berenberg-Chefvolkswirt geht davon aus, dass die bereits verschärften oder noch kommenden Anti-Corona-Maßnahmen ihre Wirkung mit zwei Wochen Verzögerung zeigen werden. Dann dürften die Infektionszahlen ab Anfang November wieder zurückgehen, sodass Beschränkungen ab Ende November oder Anfang Dezember wieder gelockert werden könnten.

Werbung

Für das vierte Quartal rechnet er mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent, der aber alleine auf dem statistischen Überhang des noch guten Septembers beruhen würde. Die Risiken für dieses Szenario seien allerdings abwärts gerichtet. Sollten die jüngsten Maßnahmen nicht helfen, dann sei mit stärkeren Restriktionen und einem BIP-Rückgang zu rechnen.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dwojones.com

DJG/hab/sha

(END) Dow Jones Newswires

October 27, 2020 08:59 ET (12:59 GMT)

Werbung