Börse Frankfurt-News: Stimmung anfällig für Korrekturen (Wochenausblick)
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Der Markteinbruch der vergangenen Woche scheint sich nicht fortzusetzen - vorerst zumindest. Doch die Zweifel an den hohen Bewertungen vor allem der US-Tech-Aktien bleiben. Konjunkturseitig sieht es besser aus.
7. September 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach zwei nervenaufreibenden Handelstagen mit Kursverlusten von über 500 Punkten im DAX dürfte die neue Woche nach Ansicht von Analysten ruhiger verlaufen. Ausgelöst durch den kräftigen Einbruch an den US-Börsen und vor allem der US-Technologiewerte hatte der DAX am Donnerstag und Freitag deutlich verloren. Nach 12.922 Punkten zum Handelsschluss am Freitag steht der Index am Montagmorgen bei x Punkten.
"Konjunkturprognosen zum ersten Mal seit Corona nach oben revidiert"
Die Meinungen darüber, ob der rasante Anstieg der Bewertungen der GAFAM-Aktien (Google-Mutter Alphabet, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft) gerechtfertigt oder übertrieben ist, gehen weiter auseinander. Einige sehen eine Blase platzen, andere verweisen auf die großen Unterschiede zur Dotcom-Blase, vor allem die gute Gewinnsituation der Unternehmen.
Klar verbessert haben sich unterdessen die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland und Europa. "Auf unserer monatlichen Prognosesitzung haben wir unsere Konjunkturprognosen zum ersten Mal seit Ausbruch von Corona für zahlreiche Länder nach oben revidiert", erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er geht jetzt davon aus, dass das BIP hierzulande in diesem Jahr nur um 4,5 statt 5,5 Prozent fallen wird. Für den Euroraum als Ganzes revidierte die Bank die Prognose von minus 7 auf minus 6,5 Prozent nach oben.
"Corona-Einschränkungen deutlich besser verkraftbar"
Für die Unternehmen ist das wirtschaftliche Umfeld spürbar besser geworden, meint auch die DekaBank. Das zeigten aktuelle Stimmungsumfragen, vollere Auftragsbücher und eine zunehmende globale Handelsdynamik. Die Corona-Pandemie bleibe ein belastender Faktor, allerdings seien die neuen Einschränkungen deutlich besser verkraftbar, so dass die Aktienmärkte kaum noch auf das Infektionsgeschehen reagierten. "Die jüngsten Diskussionen der Notenbanken zeigen, dass sich die Märkte noch für lange Zeit der aktiven Unterstützung der Geldpolitik sicher sein können", bemerken die Analysten. Sie sehen den DAX in sechs Monaten bei 14.000 und in zwölf Monaten bei 14.500 Punkten.
"Trendlose Marktverfassung"
Aus technischer Sicht scheint das DAX-Anstiegspotenzial allmählich ausgereizt zu sein, erklärt Ulrich Wortberg von der Helaba. "Die Stimmung an den Aktienmärkten ist insgesamt noch als robust zu bezeichnen, aufgrund der hohen Bewertungen aber anfällig für Korrekturen." Das Überspringen des markanten Hochs vom 21. Juli bei 13.313 Punkten habe sich nicht als nachhaltig erwiesen, die Marke von 13.500 habe zu viel Widerstand geleistet. "Damit bleibt das Kurs-Gap vom 24. Februar offen." Indikatoren lieferten derzeit keine brauchbaren Signale, auffällig sei aber das anhaltend niedrige Niveau des Average Directional Index ADX, das auf eine trendlose Marktverfassung hinweise. "Erste Unterstützungen gibt es bei 12.633, entscheidend sind aber die Marke bei 12.253 und die 200-Tagelinie bei 12.203 Punkten."
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 7. September
USA: Labor Day. Es findet kein Aktienhandel statt.
Donnerstag, 10. September
13.45 Uhr: Eurozone: EZB-Sitzung. Eine Änderung der Geldpolitik wird nicht erwartet, allerdings könnte die EZB nach Einschätzung einiger Marktbeobachter der US-Notenbank Fed bei der neuen Definition des Inflationsziel folgen. Die Fed will nun vorübergehend eine höhere Inflation erlauben, wenn vorher die Zielmarke von 2 Prozent für längere Zeit unterschritten wurde.
Freitag, 11. September
14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise August. Laut DekaBank stiegen die US-Verbraucherpreise ohne Lebensmittel und Energie im Juli um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat an - der stärkste Preisanstieg seit Anfang 1991. Hierbei hätten ungewöhnliche, Corona-bedingte Preiskapriolen eine Rolle gespielt, die wohl auch im August für einen weiteren Preisanstieg gesorgt hätten.
Von: Anna-Maria Borse
7. September 2020, © Deutsche Börse AG
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