Börsen vor dem Fall?

Die hohe Bewertung am US-Markt ist kein gutes Zeichen für die Zukunft


Die hohe Bewertung am US-Markt ist kein gutes Zeichen für die Zukunft

Von der Corona-Krise ist am Aktienmarkt nur noch wenig zu spüren. Zwar zeugt die teils hohe Volatilität noch immer von der Unsicherheit vieler Anleger, die Aktienmärkte selbst scheinen die Krise aber mit aller Macht hinter sich lassen zu wollen. Experten warnen mit Blick auf historische Entwicklungen vor der aktuellen Lage.

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• RBC-Daten sehen S&P 500 auf hohem Bewertungsniveau
• Historisch gesehen ist mit Abschlägen zu rechnen
• Experten über Bewertungsniveau uneinig

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Der Crash am Aktienmarkt, der innerhalb kürzester Zeit Milliarden an Aktienwert pulverisiert und den längsten Bullenmarkt der Geschichte beendet hat, ist an den Börsen nur noch im Chartbild zu sehen: Die Märkte, insbesondere die US-Aktienbörsen, haben den größten Teil ihrer Verluste bereits wieder ausgeglichen, an der NASDAQ waren zuletzt sogar neue Höchststände zu sehen. Und auch die Bewertungen der Unternehmen sind vielfach wieder auf ihrem Vor-Corona-Niveau, als Anleger und Experten kritisch auf ein mögliches Platzen einer Bewertungsblase schauten.

RBC-Daten lassen Schlimmes vermuten

Wie aus einem Bericht von "CNBC" hervorgeht, liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 500 aktuell bei 21,61 - ähnlich hoch war das KGV zuletzt zum Jahresstart, als der Index Höchststände markiert hatte. Betrachtet man die voraussichtliche Entwicklung in der nahen Zukunft, ist laut "CNBC" angesichts der aktuellen Gewinnschätzungen in den nächsten zwölf Monaten mit einem weiteren Anstieg zu rechnen - bis auf einen Wert von 22,18. Damit nähere sich das KGV seinem Höchststand von vor rund zwei Jahrzehnten an.

Niveau weist auf fallende Aktienkurse hin

Auf diesem Bewertungsniveau sei tendenziell mit fallenden Kursen in den nächsten zwölf Monaten zu rechnen, heißt es unter Berufung auf Daten von RBC Capital Marktes. "Diese Bewertungen sind eindeutig negativ für den US-Aktienmarkt", zitiert "CNBC" aus einer Mitteilung von Lori Calvasina, die als Leiterin der US-Aktienstrategie bei RBC Capital Markets tätig ist.

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Auf Basis eines Modells errechnete die Expertin, dass die Bewertungen im S&P 500 mit 1,64 Standardabweichungen über ihrem langjährigen Durchschnitt liegen. Sind die Bewertungen derart hoch, habe der Index in der Vergangenheit ein Jahr später durchschnittlich niedrige einstellige Kursverluste verzeichnet, so Calvasina weiter.

Hohe Bewertungen auf Fed-Eingriffe zurückzuführen

Dass die US-Börsen allerdings in Sachen Bewertung nach dem Corona-Crash so stark aufgeholt haben, liegt primär an den massiven Eingriffen der US-Notenbank in den Geldmarkt. Die Fed hat die Leitzinsen massiv gesenkt und zahlreiche andere monetäre Anreize gesetzt, um die Folgen der Pandemie auf die Wirtschaft abzufedern und die Konjunktur im Land anzukurbeln. "CNBC" zufolge könnte dies einige Marktakteure zu der Überzeugung bringen, dass der Bewertungsanstieg vor diesem Hintergrund zu rechtfertigen sei.

Entsprechend optimistisch hatten sich jüngst Experten der US-Bank Morgan Stanley gezeigt. Inbesondere für Finanztitel sahen die Analysten eine mögliche Rally voraus, wenn sich die Wirtschaft dank der Stützungsmaßnahmen der Fed von den Corona-Auswirkungen erholt.

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Ob der Aktienmarkt derzeit überbewertet ist, wird von Experten unterschiedlich eingeschätzt. "Der Markt steht sehr hoch und die Fed hat hier viel Geld investiert. […] Es gab unterschiedliche Fehlallokationen von Kapital auf den Märkten. ... Der Markt ist für jedermanns Standard ziemlich voll", betonte jüngst Hedgefonds-Manager David Alan Tepper. Fondsmanager Bill Miller sieht die Lage allerdings deutlich weniger dramatisch: "Schaut man sich den Gesamtmarkt an, so werden Aktien um das 17-fache über den durchschnittlichen Gewinnschätzungen für 2021 gehandelt". Das entspreche dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Vor diesem Hintergrund betont er: "Ich finde nicht, dass [der Markt] so dramatisch überbewertet ist".

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Robert Crum / Shutterstock.com, Andre Viegas / Shutterstock.com

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