Corona geht KMU besonders in Frankreich und Italien an die Substanz
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Europäische Mittelständler weisen nach dem Corona-Schock laut einer Umfrage eine sehr hohe Verschuldung, eine zum Teil erheblich verschlechterte Profitabilität und eine nicht ausreichende Kapitalisierung auf. "Insbesondere in Frankreich und Italien geht die Covid-19-Pandemie kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) an die Substanz", erklärte der Kreditversicherer Euler Hermes. Ihnen fehlten aktuell Finanzmittel in Höhe von schätzungsweise insgesamt rund 100 Milliarden Euro - trotz der umfangreichen Konjunkturpakete und nach Ausschluss von sogenannten "Zombie"-Unternehmen.
Auch in Deutschland fehlen KMU nach den Berechnungen des Kreditversicherers rund drei Milliarden Euro an Finanzmitteln zu einer ausreichenden Rekapitalisierung. Angesichts der fehlenden 70 Milliarden in Italien und etwa 29 Milliarden Euro in Frankreich stünden die hiesigen Mittelständler allerdings weitaus besser da. "Europäische Mittelständler weisen eine sehr hohe Verschuldung auf, eine erheblich verschlechterte Profitabilität und eine nicht ausreichende Kapitalisierung", sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Das ist mittelfristig eine denkbar schlechte Kombination für die Zahlungsfähigkeit dieser Unternehmen."
Insbesondere in Italien und Frankreich spitze sich die Lage durch Covid-19 zunehmend zu, auch wenn die zahlreichen Konjunkturpakete zumindest eine kurzfristige Liquiditätskrise vermieden hätten. Der deutsche Mittelstand habe "sich abermals als relativ robust erwiesen" und sei im Vergleich zu seinen europäischen Pendants bisher relativ gut durch die Krise gekommen. Auch hierzulande sei die Verschuldung durch zahlreiche Liquiditätsmaßnahmen gestiegen. Insbesondere in Frankreich aber sei sie im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt mit 81 Prozent fast doppelt so hoch wie in Deutschland mit 43 Prozent. Der europäische Durchschnitt liegt den Angaben zufolge bei 63 Prozent.
Die Eigenkapitalquote sei in Italien mit 33 Prozent zudem die niedrigste und damit deutlich unterhalb der 40 Prozent, die in der Regel als adäquat gälten. "In Italien besteht demnach der größte Bedarf an zusätzlichen Finanzmitteln für eine Rekapitalisierung", so Euler Hermes. In Frankreich liegt die Eigenkapitalquote der KMU demnach bei 37 Prozent und in Deutschland mit 39 Prozent nur knapp unterhalb der empfohlenen Kapitalausstattung. Bei der Analyse seien Unternehmen herausgerechnet worden, die schon vor der Covid-19-Pandemie praktisch nicht überlebensfähig waren.
"Ein Großteil der Mittelständler erweist sich auch in der aktuellen Krise als sehr robust, insbesondere in Deutschland", sagte Van het Hof. "Diese Tatsache, darf aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in ihrem Schatten in Europa zahlreiche Zombie-Unternehmen gibt - auch schon vor der Covid-19-Pandemie." In Italien seien beispielsweise schon vor der Krise rund ein Fünftel der Mittelständler wirtschaftlich eigentlich gar nicht mehr lebensfähig, in Frankreich mit 11 Prozent Prozent und in Deutschland mit 10 Prozent waren es laut der Studie nur etwa halb so viele. Allerdings dürfte sich die Anzahl mit der aktuellen Krise sprunghaft erhöht haben, ebenso wie der Finanzierungsbedarf der KMU.
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October 21, 2020 04:37 ET (08:37 GMT)