Zalando-Aktie stürzt ab: Kündigungsklagen und Prognosekürzung belasten weiter
Die Zalando-Aktie fällt unter eine wichtige Durchschnittslinie, während sich beim Arbeitsgericht Erfurt eine Klagewelle gegen Kündigungen auftürmt.
Werte in diesem Artikel
- Zalando-Aktie ist DAX-Schlusslicht am Mittwoch
- 109 Kündigungsklagen nach Erfurt-Aus belasten
- Prognosekürzung wirkt nach
Die Zalando-Aktie verliert am Mittwoch zeitweise 4,71 Prozent auf 23,06 Euro und ist damit der schwächste Wert im DAX.
Damit bewegt sich der Kurs weiterhin unterhalb der wichtigen 200-Tage-Durchschnittslinie bei 23,42 Euro und gibt einen erheblichen Teil der Erholung der vergangenen Wochen wieder ab. Anleger reagieren auf ein Bündel an Belastungsfaktoren: das juristische Nachspiel der Standortschließung in Erfurt, eine Ende August bekannt gewordene Klagewelle sowie die nach wie vor nachwirkende Prognosekürzung aus dem Sommer. Der Rücksetzer bringt die zuvor aufgebaute Kaufdynamik ins Wanken.
Klagewelle nach dem Aus für Erfurt
Hintergrund ist das juristische Nachspiel der Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt. Beim zuständigen Arbeitsgericht sind, wie ein Gerichtssprecher mitteilte, 109 Klagen gegen die im Juli ausgesprochenen betriebsbedingten Kündigungen eingegangen, verteilt auf alle sechs Kammern. Erste Gütetermine liefen bereits Ende August an, weitere Verhandlungen sind bis November angesetzt. Zalando hält an der Schließung des Standorts zum Monatsende September fest und begründet den Schritt mit der Neuausrichtung des europaweiten Logistiknetzes nach der Übernahme von ABOUT YOU, ein neuer Standort entsteht in Gießen. Für die zuletzt mehr als 2.000 Beschäftigten in Erfurt war Anfang Juli nach monatelangem Tauziehen zwischen Betriebsrat und Management ein Sozialplan vereinbart worden.
Die Prognosekürzung wirkt nach
Der aktuelle Rücksetzer reiht sich in eine Entwicklung ein, die bereits Anfang August begann. Am 4. August hatte Zalando mit dem Quartalsbericht die Erwartungen verfehlt und den Ausblick für das operative Ergebnis eingeengt, die Aktie brach daraufhin zeitweise um bis zu 18 Prozent ein. Kursbeobachter werteten damals auch Gewinnmitnahmen nach der vorangegangenen Rally als Verstärker der Bewegung. Die Erholung bis Ende August auf über 24 Euro konnte diesen Dämpfer offenbar nicht dauerhaft auflösen. Mit der aktuellen Schwäche und dem Streit um Erfurt rückt erneut die Frage in den Vordergrund, ob Zalando das für 2026 in Aussicht gestellte Wachstum bei Umsatz und Bruttowarenvolumen tatsächlich liefern kann.
Der nächste konkrete Beobachtungspunkt ist der Fortgang der Gütetermine vor dem Arbeitsgericht Erfurt, die laut Gerichtssprecher bis November dieses Jahres terminiert sind. Bis dahin dürfte sich auch zeigen, ob Zalando den Standort wie geplant zum 30. September schließt und wie sich die Wachstumsdynamik im laufenden dritten Quartal entwickelt.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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