Deutsche HVPI-Teuerung im April höher als erwartet
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Inflationsdruck in Deutschland hat sich im April entgegen den Erwartungen nicht verringert. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) stieg der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent und lag um 2,1 (März: 2,0) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen monatlichen Preisanstieg von nur 0,3 Prozent und einen Rückgang der Jahresteuerung auf 1,9 Prozent prognostiziert.
Der HVPI ist die für die Europäische Zentralbank (EZB) relevante Inflationsmessgröße. Die EZB strebt mittelfristig knapp 2 Prozent an und rechnet für die nächsten Monate mit einem weiteren Anstieg des Inflationsdrucks. Dieser dürfte allerdings auf Sonderfaktoren beruhen und daher vorübergehend sein. Die EZB sieht die Inflation ausweislich ihrer jüngsten Stabsprojektionen 2023 bei nur 1,4 Prozent.
Für den Euroraum (Veröffentlichung am Freitag, 11.00 Uhr) erwarten die befragten Volkswirte für April bisher einen Anstieg der Teuerung auf 1,5 (1,3) Prozent. Der spanische HVPI stieg mit einer Jahresrate von 1,9 (1,2) Prozent, erwartet worden waren 1,8 Prozent. Preisdaten aus Frankreich und Italien werden am Freitag um 8.45 Uhr bzw. 10.00 Uhr veröffentlicht.
Der nationale Verbraucherpreisindex Deutschland erhöhte sich auf Monatssicht um 0,7 Prozent und auf Jahressicht um 2,0 (1,7) Prozent. Volkswirte hatten Raten von nur 0,5 und 1,8 Prozent prognostiziert.
Höherer Inflationsdruck kam von den Energie- und Nahrungsmittelpreisen. Die Energiepreise lagen um 7,9 (4,8) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats und die Nahrungsmittelpreise um 1,9 (1,6) Prozent. Die Warenpreise insgesamt stiegen um 2,6 (1,9) Prozent. Dagegen blieb die Teuerung bei Dienstleistungen und Wohnungsmieten jeweils unverändert bei 1,6 und 1,3 Prozent.
Destatis weist darauf hin, dass die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie auch im April zu Schwierigkeiten bei der Preiserhebung geführt hätten, da einige Güter am Markt nicht verfügbar gewesen seien.