Deutscher Einzelhandel fordert City-Bonus und Sonntagsöffnungen für das restliche Jahr
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Der deutsche Einzelhandel hat einen Forderungskatalog für die kommende Bundesregierung vorgelegt, mit dem der Branche ein kraftvoller Neustart nach der Corona-Pandemie gelingen soll. Dazu zählt ein staatlich finanzierter Gutschein, auch "City-Bonus" genannte, über 200 Euro, Sonntagsöffnungen für das restliche Jahr, mehr Wettbewerbsfairness zwischen allen Vertriebskanälen und Handelsstandorten sowie eine Wachstumsagenda und mehr Freiraum für Unternehmertum.
Der 10-Punkte-Plan des Handelsverbands Deutschland (HDE) zielt auf den von der Pandemie hart getroffenen Innenstadt-Einzelhandel ab. Bis zu 120.000 Einzelhandelsgeschäfte könnten nach HDE-Schätzungen in Folge der Krise vom Markt verschwinden. Dies hätte weitreichende Folgen nicht nur für die Einzelhändler mit ihren 3 Millionen Beschäftigten, sondern könne auch zu Leerstand und Verödung in den Innenstädte führen.
Der City-Bonus könnte von den Bürgern in stationären Handelsbetrieben eingelöst werden, die unmittelbar von Schließungen betroffen seien, erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der City-Bonus erreiche somit ganz gezielt die Händler, die sich aktuell in Existenzgefahr befänden und dringend Hilfe benötigten.
"Mit dem City-Bonus würden viele Menschen wieder den Weg in die Innenstädte finden und so den Startschuss für die Nach-Krisen-Zeit im dort ansässigen Handel geben", so Genth.
Präventionsstrategie gegen einen erneuten Lockdown
Der HDE appellierte zudem an Bund und Länder, angesichts einer drohenden vierten Infektionswelle eine verlässliche und frühzeitige Präventionsstrategie mit geeigneten Maßnahmen zu entwickeln. Man betrachte mit Sorge, dass nach wie vor verlässliche Pläne fehlten.
"Das Ziel muss sein, einen erneuten monatelangen Lockdown zu verhindern. Eine Rückkehr in die Perspektivlosigkeit wäre eine Katastrophe für den Handel und die gesamte Wirtschaft", erklärte Genth.
In ihrem 10-Punkte-Plan forderte der HDE außerdem einen Digitalisierungsfonds in Höhe von 100 Millionen Euro, um die Zukunftsfähigkeit des Handels sicherzustellen. Der Einzelhandel brauche eine staatliche Modernisierungshilfe für Unternehmen, die krisenbedingt ohne Geld für dringend notwendige Investitionen dastehen. Nötig sei weiterhin ein Sonderprogramm Innenstadtstabilisierung mit jährlich mindestens 500 Millionen Euro für eine Laufzeit von fünf Jahren.
Auf Steuererhöhungen müsse verzichtet werden, forderte der HDE von der nächsten Bundesregierung. Denn auch eine Digitalsteuer könne vom Marktplatzbetreiber durch Preiserhöhungen leicht auf Einzelhändler, die sich über den Marktplatz eine digitale Präsenz aufbauen wollen, übergewälzt werden.
Auch müsse man in der Plattformökonomie Wettbewerbsfairness sicherstellen, indem der Zoll Direktimporte per Paketversand von Nicht-EU-Händlern nach Deutschland besser und umfänglicher kontrolliert. Wichtig wäre zudem die Abschaffung der EEG-Umlage. Die Extrakosten für den Ökostromausbau sollten über die Erhebung eines nationalen und europäischen CO2-Preises gedeckt werden.
Der HDE forderte außerdem, dass Tarifverträge praxisnah gestaltet werden sollten, denn die Sozialpartner bräuchten mehr Handlungsspielraum. So könnten attraktive Tarifverträge für ihre Branche ausgehandelt und die Tarifbindung in der Nach-Lockdown-Zeit wieder gesteigert werden, erklärte der HDE.
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June 28, 2021 04:44 ET (08:44 GMT)