DIW: Steuereinnahmen profitieren von staatlichen Corona-Hilfen und hoher Inflation
BERLIN (Dow Jones)--Die deutschen Steuereinnahmen sprudeln während der Corona-Pandemie trotz der schleppenden wirtschaftlichen Erholung, weil der Staat mit Stabilisierungsmaßnahmen die Wirtschaft gestützt hat und die Inflation die Steuereinnahmen treibt. Das ist das Fazit einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die die wirtschaftliche Entwicklung und die Steuereinnahmen während der Corona-Pandemie mit der Finanzkrise ab 2008 vergleicht.
Demnach gingen in beiden Krisen die Steuereinnahmen im jeweils ersten Krisenjahr 2009 und 2020 mit minus 5,2 Prozent und minus 6,5 Prozent kräftig zurück. Allerdings stiegen in der Finanzkrise die Steuereinnahmen im zweiten Krisenjahr 2010 nur zögerlich um 0,4 Prozent, während 2021 das Plus mit knapp 13 Prozent sehr stark ausfiel.
Dass sich die Steuereinnahmen in der Pandemie so viel dynamischer entwickelt haben als in der Finanzkrise, führt das DIW zum einen auf die unterschiedlichen Ursachen der Krisen zurück. Zum anderen habe es aber auch an den Reaktionen der Politik gelegen, da diese in der Corona-Pandemie sehr viel entschlossener umfangreichere Maßnahmen ergriffen habe.
"Offensichtlich haben die Unternehmen nicht damit gerechnet, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Wirtschaft in der Corona-Pandemie so gut stabilisieren und das führt jetzt zu Nachzahlungen", sagte DIW-Studienautorin Kristina van Deuverden.
Diese Nachzahlungen haben mit dem deutschen Steuersystem zu tun. Unternehmen leisten bei der Einkommen- und der Körperschaftsteuer den Großteil als Vorauszahlung auf den von ihnen im gleichen Jahr erwarteten Gewinn. Sind diese Erwartungen zu niedrig, müssen die Steuerzahlungen angepasst werden. Das könnte den steilen Anstieg 2021 im Vergleich zu 2020 erklären, wie das DIW erklärte. Die Körperschaftsteuer hat im vergangenen Jahr um 73,6 Prozent zugelegt, die Einkommensteuer um knapp 14 Prozent.
Ein weiterer Faktor sei die Inflation. Diese habe die Steuereinnahmen seit dem vergangenen Sommer getrieben, so DIW-Ökonomin van Deuverden. "Auch aus diesem Grund sind die derzeitigen Überlegungen, die privaten Haushalte bei den Energiepreisen zu entlasten, richtig - zumal sich die Teuerung durch die militärische Auseinandersetzung in der Ukraine deutlich beschleunigt."
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March 16, 2022 05:32 ET (09:32 GMT)