DIW-Studie: Bankabgaben können Finanzinstitute stärken
BERLIN (Dow Jones)--Bankenabgaben können Bankbilanzen offenbar widerstandsfähiger machen. Hohe Körperschaftsteuern schwächen den Effekt allerdings ab, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin unter Verweis auf eine entsprechende Studie mit. Denn laut DIW wird bei dieser Steuer Fremdkapital gegenüber Eigenkapital in den meisten Ländern bevorzugt.
Gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte das DIW Bilanzdaten von rund 3.000 Banken aus 27 EU-Ländern über den Zeitraum 2006 bis 2014 ausgewertet. Viele europäische Länder hatten nach der Finanzkrise 2008/09 Bankenabgaben eingeführt, um Finanzinstitute an den Kosten möglicher künftiger Krisen zu beteiligen. Seit 2015 wird eine solche Abgabe innerhalb der Europäischen Bankenunion sogar länderübergreifend erhoben.
Die Berechnungen ergaben, dass die Einführung einer Bankenabgabe bei einem durchschnittlichen Körperschaftsteuersatz von rund 30 Prozent den Verschuldungsgrad einer Bank um etwa 1,6 Prozentpunkte reduziert. Andersherum betrachtet steigt also die Eigenkapitalquote einer durchschnittlichen Bank von rund zehn auf etwa elfeinhalb Prozent. Bei einem sehr hohen Körperschaftsteuersatz von rund 40 Prozent lässt sich jedoch kein statistisch signifikanter Rückgang der Verschuldungsquote mehr feststellen. Spätestens dann überwiegt also der Anreiz der Steuerersparnis, indem sich die Bank stärker über Fremd- statt über Eigenkapital finanziert.
Durch die Wechselwirkung zwischen der europäischen Bankenabgabe und den national unterschiedlichen Körperschaftsteuersätzen seien unterschiedliche Auswirkungen auf den Verschuldungsgrad und damit auf die Verlusttragfähigkeit der europäischen Banken möglich. "Hat eine Bank weniger Verbindlichkeiten in Form von kurzfristigem Fremdkapital, das zum Beispiel über den Interbankenmarkt gewonnen wird, und eine bessere Eigenkapitalausstattung, ist sie in Krisenzeiten widerstandsfähiger", erklärt DIW-Makroökonomin Franziska Bremus. "Das gilt beispielsweise auch im Fall einer Insolvenzwelle von Unternehmen, wie sie infolge der Corona-Pandemie drohen könnte."
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August 26, 2020 06:17 ET (10:17 GMT)