Heidelberger Druckmaschinen bleibt trotz schwachen Quartals bei Jahreszielen - Aktie stärker
Der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen hat im ersten Geschäftsquartal die Zurückhaltung der Kunden zu spüren bekommen.
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Umsatz und operatives Ergebnis gingen deutlich zurück. Die Ziele für das Gesamtjahr (bis Ende März) bestätigte der Vorstand um Unternehmenschef Jürgen Otto am Mittwoch aber.
Umsatz und Gewinn deutlich gesunken
Der Erlös schrumpfte in den drei Monaten bis Ende Juni im Jahresvergleich um gut 13 Prozent auf 404 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Während der Konzern deutlich mehr in China, Großbritannien und Brasilien umsetzen konnte, gingen die Erlöse insbesondere in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) zurück. Der Umsatz soll im laufenden Geschäftsjahr auf dem Vorjahresniveau verharren, nachdem dieser im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 2,29 Milliarden Euro gestiegen war.
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) brach im ersten Quartal von 20 Millionen Euro im Vorjahr auf eine Million ein. Die entsprechende Marge ging von 4,4 auf 0,2 Prozent zurück. Im Gesamtjahr 2026/27 (bis Ende März) soll sich die operative Marge (bereinigte Ebitda-Marge) spürbar im Vergleich zum Vorjahreswert von 6,6 Prozent verbessern. Dazu beitragen soll ein Sparprogramm, aber auch die Verlagerung eines Teils der Produktion ins günstigere Ausland.
Produktion wird ins Ausland verlagert
Um die Kosten zu senken, verlagerte Heidelberger Druckmaschinen die Produktion der Speedmaster CX 104 vollständig nach China. Auch gründete das Unternehmen einen neuen Standort in Nordmazedonien, um künftig Kosten einzelner Produktgruppen zu reduzieren. Dort sollen Produkte hergestellt werden, deren Produktion sich in Deutschland aus Kostengründen nicht mehr lohnt. Die Lohnkosten in Nordmazedonien liegen laut früheren Angaben von Unternehmenschef Otto in etwa auf chinesischem Niveau. Zudem läuft schon seit längerem ein Personalabbau an deutschen Standorten.
Unter dem Strich fiel im Auftaktquartal mit 32 Millionen Euro ein fast dreimal so hoher Verlust an wie ein Jahr zuvor. Mit seinen Kennziffern traf das Unternehmen aber in etwa die Erwartungen von Analysten.
Auftragsbestand wächst trotz schwachem Auftragseingang
Der Auftragseingang schrumpfte im Berichtszeitraum um knapp vier Prozent auf 537 Millionen Euro. Allerdings habe sich im vergangenen Quartal vor allem das Auslaufen eines staatlich geförderten Investitionsprogramms in Italien mit einem Rückgang von über 60 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr stark bemerkbar gemacht, hieß es. Der Auftragsbestand erhöhte sich Ende Juni mit 762 Millionen Euro deutlich im Vergleich zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres. Ende März hatte dieser 639 Millionen Euro betragen.
Heidelberger Druck setzt auf Drohnenabwehr
Heidelberger Druck hat in Zeiten der Digitalisierung in seinem Kerngeschäft mit Druckmaschinen bereits seit längerem zu kämpfen. Der Konzern hat sich daher ein Standbein mit Ladeboxen für Elektrofahrzeuge aufgebaut und rückt nun in den Rüstungsbereich vor.
"Mit der HD Advanced Technologies GmbH (HDAT) haben wir ein eigenständiges Unternehmen und eine weitere Wachstumssäule für Heidelberg etabliert", sagte Konzernchef Otto in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Das Unternehmen nutze seine bestehenden industriellen und technischen Kapazitäten, um in neue und attraktive Märkte zu expandieren.
Im März hatte der Konzern dazu die Gründung eines Joint-Ventures mit dem US-amerikanisch-israelischen Hersteller Ondas Autonomous Systems verkündet. Das Gemeinschaftsunternehmen unter dem Namen Onberg entwickelt und betreibt autonome Systeme zur Drohnenabwehr. Erst jüngst hat Onberg eine Absichtserklärung für die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton unterzeichnet.
Derzeit baue Heidelberger Druckmaschinen seinen Standort Brandenburg aus, um seine Systemkompetenz zum Thema Drohnen Entscheidern aus Behörden, Betreibern kritischer Infrastrukturen, Streitkräften und der Industrie vorzuführen, erläuterte Konzernlenker Otto. Erst vor wenigen Wochen sei dort ein Vorführzentrum eröffnet worden. Die Bedrohung durch unbemannte Systeme nehme weltweit zu. Drohnen gehörten heute zu den meistgenutzten Mitteln hybrider Kriegsführung. Es gebe ein großes Interesse an den Systemen, vor allem seit dem Vorfall in Leipzig, fügte er hinzu.
Perspektivisch sollen neben dem Vertrieb die Lösungen von Onberg in Deutschland entwickelt, produziert und Serviceleistungen für Kunden angeboten werden. Es brauche aber eine klare rechtliche Grundlage in Deutschland und Europa, um schnell und effektiv beim Thema Drohnenabwehr zu reagieren, mahnte der Heidelberg-Chef. Daher unterstütze das Unternehmen den Vorschlag und die zügige Umsetzung des brandenburgischen Innenministers Jan Redmann (CDU), privaten Betreibern kritischer Infrastruktur selbst die Abwehr von Drohnen zu erlauben.
Heidelberger Druck-Aktie ins Plus gedreht - Hoffnung auf Besserung
Die Aktien von Heidelberger Druckmaschinen haben am Mittwoch nach der Vorlage von Geschäftszahlen ihre frühen Verluste aufgeholt. In den Auftaktminuten war der Kurs via XETRA noch um bis zu 6,6 Prozent abgesackt, doch am Juli-Tief von 1,31 Euro konnte er sich dann fangen. Am Nachmittag gelang der Dreh ins Plus. Letztlich wurden die Papiere 2,64 Prozent höher bei 1,44 Euro gehandelt.
Das Jahresminus hatte am Mittwoch zeitweise die Marke von einem Drittel überschritten, doch selbst nach der Erholung im Tagesverlauf gehören die Titel mit etwa 30 Prozent Minus noch immer zur Gruppe der schwächsten SDAX-Werte in diesem Jahr. Der Index der kleineren deutschen Börsenwerte hat 2026 bislang um fast 8 Prozent zugelegt.
Händler attestierten den Heidelbergern zunächst ein schwaches erstes Geschäftsquartal, in dem der Nettoverlust höher ausfiel als vor einem Jahr. Der Maschinenbauer hält aber trotz eines deutlichen Rückgangs beim Umsatz und dem operativen Ergebnis an seinen Jahreszielen fest, was offensichtlich einige als ermutigend werteten. Experten signalisierten ihre Hoffnung auf Besserung im Jahresverlauf.
Warburg-Analyst Stefan Augustin sprach von einem saisontypisch schwachen Start ins Geschäftsjahr. Der Umsatz habe die Erwartungen verfehlt, wogegen die Gewinne knapp über seinen Schätzungen lägen. Zudem könne das Unternehmen eine robuste Auftragsentwicklung vorweisen und habe den Ausblick bestätigt.
Thomas Wissler von MWB Research sprach zwar von einem durchwachsenen Quartal, betonte aber, dass die Nachfragesituation intakt bleibe. Der operative Schwerpunkt verlagere sich wohl auf eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte, die stark auf das Jahresende konzentriert sei. Er erwähnte strukturelle Wachstumsinitiativen und Chancen in technologisch neuen Segmenten.
dpa (AFX)
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Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Heidelberger Druckmaschinen AG
