Handel warnt vor schweren Folgen von Lockdown mit Ladenschließungen
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen und Diskussionen um eine Schließung aller Nicht-Lebensmittelgeschäfte vor fatalen Folgen solcher Ladenschließungen gewarnt. Der Einzelhandel sei "kein Hotspot", erklärte der Verband. Eine eventuelle Schließung der Geschäfte sei deshalb für eine effektive Pandemiebekämpfung nicht notwendig und würde im Weihnachtsgeschäft enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten.
"Die steigenden Infektionszahlen machen dem Einzelhandel große Sorgen", erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Es sei in aller Interesse, das Infektionsgeschehen durch effektive und zielgerichtete Maßnahmen rasch wieder unter Kontrolle zu bringen. "Dazu leisten wir im Einzelhandel mit der konsequenten Umsetzung umfassender Hygienekonzepte einen wichtigen Beitrag", hob er hervor. Die aktuellen Infektionszahlen unter den Beschäftigten des Einzelhandels belegten, dass der Einzelhandel unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche kein Infektionshotspot sei. "Offene Läden und die wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie sind kein Widerspruch."
Eine Schließung des Nonfood-Handels hätte für den aufgrund der bisherigen Corona-Beschränkungen bereits stark existenzgefährdeten innerstädtischen Handel und insbesondere für den Mittelstand fatale wirtschaftliche Folgen, warnte Genth. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr sei neben der Woche vor Heiligabend die umsatzstärkste Zeit des Weihnachtsgeschäfts. Viele Händler machten in November und Dezember ein Viertel ihres Jahresumsatzes. Den Nonfood-Handel könnten erneute Ladenschließungen bis zu eine Milliarde Euro Umsatz pro Tag kosten.
Würden dennoch Ladenschließungen angeordnet, sollten diese frühestens nach dem 24. Dezember, besser erst ab Januar, für einen vorab klar definierten, überschaubaren Zeitraum umgesetzt werden. "Dann sind aber auch entsprechende staatliche Hilfen für die betroffenen Händler gefordert", betonte der HDE-Hauptgeschäftsführer. Ansonsten komme es "zu einem Flächenbrand in unseren Innenstädten". Hier solle die Politik dann analog zur Gastronomie in den Monaten November und Dezember vorgehen.
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December 08, 2020 08:18 ET (13:18 GMT)