HWWI sieht tieferliegende Ursachen der US-Entwicklung im Fokus
Von Andreas Kißler
HAMBURG/BERLIN (Dow Jones)--Europa muss nach Überzeugung des Direktors des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Henning Vöpel, dringend Schlüsse aus dem hohen Zuspruch für US-Präsident Donald Trump bei den Wählern ziehen. "In 2020 steckt noch viel 2016", erklärte Vöpel in einem Artikel des Instituts. "Es ist an der Zeit, sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, welches die dahinterliegenden gesellschaftlichen Entwicklungen, die tieferliegenden ökonomischen Ursachen für dieses Wahlergebnis... sind", forderte er, "denn Ähnliches droht vielleicht auch bald in Europa".
Die Risse seien tiefer und das Fundament brüchiger, als man es oberflächlich wahrnehme. "Brexit und Trump waren eben kein Unfall der Geschichte, sondern Ausdruck von länger andauernden Fehlentwicklungen." Die Zeit nach Corona werde zudem den Wunsch nach Stabilität und Sicherheit bringen. In diesen Zeiten des Umbruchs drohten "große gesellschaftliche Projekte wieder zu Elitenprojekten zu werden", warnte Vöpel. Zwar seien die digitale und die grüne Transformation unvermeidlich, doch habe die Politik es versäumt, den nötigen Übergang zu schaffen.
Auch müsse Europa in einer macht- und nicht mehr regelbasierten Welt selbst an politischer Souveränität gewinnen. "Technologie- und Industriepolitik sowie Außen- und Sicherheitspolitik sind hier die entscheidenden Handlungsfelder", hob der HWWI-Direktor hervor.
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November 05, 2020 06:43 ET (11:43 GMT)