IEA: Hohe Metallpreise könnten Energiewende behindern
Von Will Horner
LONDON (Dow Jones)--Die globalen Bemühungen zur Eindämmung der Kohlenstoffemissionen könnten darunter leiden, wenn Bergbauunternehmen und Regierungen nicht schnell in die Produktionssteigerung von Metallen investieren, die in Elektrofahrzeugen, Windturbinen und Solarpanelen verwendet werden. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) schätzt, dass sich die Nachfrage nach diesen Metallen - wie Lithium für Batterien und Kupfer für Stromnetze - bis 2040 vervierfachen wird, wenn die Welt die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen soll, das die globale Erwärmung unter 2 Grad Celsius halten will.
Ein noch ehrgeizigeres Ziel, nämlich das Erreichen von Netto-Null-Emissionen bis 2050, würde ein Angebot erfordern, das sechsmal größer ist als das derzeit verfügbare. Die sich abzeichnende Lücke zwischen der schnell steigenden Nachfrage nach diesen Metallen und dem langsamen Tempo, mit dem Bergbauunternehmen neue Lieferprojekte beginnen können, droht Metalle wie Lithium, Graphit oder Nickel unerschwinglich zu machen, was die Bemühungen zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen verlangsamen könnte, sagte Fatih Birol, der geschäftsführende Direktor der IEA, dem Wall Street Journal.
"Dieser Anstieg könnte so stark sein, dass die Welt nicht in der Lage ist, die Nachfrage zu befriedigen, und wir könnten einen erheblichen Preisanstieg erleben, der wiederum den Übergang zu sauberer Energie verlangsamen könnte", sagte Birol. Während viele Staaten den Übergang weg von fossilen Brennstoffen förderten, indem sie Anreize für Dinge wie Elektrofahrzeuge oder Wind- und Solarenergie schaffen, werde wenig getan, um die Versorgung mit Metallen und Mineralien sicherzustellen, die diese Technologien benötigen.
"Unsere Hauptsorge ist, dass es keine ausreichenden Investitionen auf der Angebotsseite gibt, um die Nachfrage zu decken", sagte Birol. "Die politischen Entscheidungsträger konzentrieren sich derzeit fast ausschließlich darauf, Anreize für Elektroautos, Windkraftanlagen und Wasserstofftechnologie zu schaffen, was gut ist, aber wir müssen auch die andere Seite der Medaille sehen."
Die Preise für viele Metalle, die an grüne Technologien gebunden sind, haben im vergangenen Jahr bereits einen deutlichen Preisanstieg erlebt. Die starke Nachfrage aus China traf auf anhaltende Versorgungsunterbrechungen, die durch die Pandemie verursacht wurden. Andere Metalle, wie zum Beispiel Kupfer, haben ein starkes spekulatives Engagement erfahren, da Investoren in großem Stil auf die Energiewende gesetzt haben.
Die an der Londoner Metallbörse gehandelten Kupferpreise stiegen in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt über die Marke von 10.000 US-Dollar pro Tonne. Die Preise für Lithium in China sind laut Benchmark Mineral Intelligence in diesem Jahr bisher um mehr als 100 Prozent gestiegen.
Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com
DJG/DJN/apo/brb
(END) Dow Jones Newswires
May 05, 2021 06:09 ET (10:09 GMT)