Ifo-Chef Fuest warnt trotz massiver Steuerausfälle vor Sparkurs
AUGSBURG (Dow Jones)--Ifo-Chef Clemens Fuest warnt trotz wegbrechender Staatseinnahmen und hoher Ausgaben zur Bewältigung der Krisenfolgen vor Steuererhöhungen und harten Sparmaßnahmen. "Für die nächsten Jahre müssen wir uns darauf konzentrieren, dass das Wirtschaftswachstum wieder anspringt", sagte der Münchner Wirtschaftsprofessor der Augsburger Allgemeinen. "Wenn das geschafft ist, wird zu prüfen sein, ob Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen nötig sind", fügte er hinzu. "Dafür ist jetzt und in naher Zukunft aber der Zeitpunkt falsch." Erst wenn die Wirtschaft wieder wachse, solle man sich auf die Sanierung der Staatsfinanzen konzentrieren.
Fuest wies allerdings Hoffnungen zurück, Deutschland werde den Schuldenberg bei einem Anspringen der Konjunktur ähnlich schnell wieder abbauen können, wie nach der internationalen Finanzkrise: "Nach der Finanzkrise hat der deutsche Staat seine Schuldenquote durch Wachstum und sinkende Zinsen ohne größere Anstrengungen wie Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen senken können", sagte der Ökonom. "So leicht wird es nach der Corona-Krise nicht wieder."
Die Schulden würden Deutschland auf absehbare Zeit erhalten bleiben: "Es wird eher darum gehen, die Schuldenquote, also das Verhältnis aus Staatsschulden und Wirtschaftsleistung, zu stabilisieren und nicht immer weiter ansteigen zu lassen", sagte er. "Bei niedrigen Zinsen, und sofern das Wirtschaftswachstum zurückkehrt, ist das auch gut möglich."
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May 15, 2020 02:38 ET (06:38 GMT)