IMK senkt Wachstumsprognose für 2022 auf 4,5 Prozent
Von Andreas Kißler
DÜSSELDORF/BERLIN (Dow Jones)--Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet im kommenden Jahr eine Zunahme des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 4,5 Prozent nach einem BIP-Plus von 2,6 Prozent in diesem Jahr. Damit nahm das Institut seine Prognose für 2022 um 0,6 Prozentpunkte zurück, während es die für 2021 bestätigte. Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle bremsten die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten noch stark, über das Winterhalbjahr werde die konjunkturelle Entwicklung stagnieren.
"Doch ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres folgt auf die Winterpause ein kräftiges Wachstum", sagten die Ökonomen voraus. Das IMK ging trotz zusätzlicher Unsicherheiten nach Auftreten der Omikron-Variante davon aus, dass die Einschränkungen im Laufe des Frühjahrs 2022 auslaufen werden und sich der Konsum dann kräftig erholt. Zudem rechneten die Fachleute damit, dass sich die Lieferengpässe Schritt für Schritt entspannen werden.
Treibende Kraft des kräftigen Wirtschaftswachstums werde der private Konsum. Die realen privaten Konsumausgaben steigen im Jahresdurchschnitt 2021 nach der Prognose um lediglich 0,2 Prozent, wozu auch pandemiebedingte Einschränkungen beitrügen. Für das kommende Jahr prognostiziert das IMK dann aber einen Sprung der privaten Konsumausgaben um real 8,0 Prozent. Bei den Ausrüstungsinvestitionen wirkten sich Lieferengpässe bis ins kommende Jahr hinein aus, trotzdem ergäben sich spürbare Zuwächse. Für 2021 rechnen die Konjunkturexperten mit einer Zunahme um 3,6 Prozent und für 2022 um 4,3 Prozent.
Die Inflation soll laut der Prognose 2022 auf durchschnittlich 2,6 Prozent im Jahresmittel nach 3,1 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021 sinken. Dabei zeige sich eine Zweiteilung: Bis zur Jahresmitte bleibe die Preissteigerung spürbar über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB), danach sinke sie wieder darunter. Die Arbeitslosenquote geht demnach 2021 leicht auf durchschnittlich 5,7 Prozent und 2022 dann deutlicher auf 5,1 Prozent zurück. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt demnach 2021 auf 2,62 Millionen und 2021 auf 2,33 Millionen.
Überschuss in der Leistungsbilanz geht zurück
Im Außenhandel rechnet das IMK für 2021 mit einem Wachstum der Exporte um 7,1 Prozent und der Importe um 7,2 Prozent. Im Jahresmittel 2022 bleibe die Exportentwicklung mit einem Plus von 4,6 Prozent recht dynamisch, aufgrund der sehr stark wachsenden Binnennachfrage nähmen die Importe jedoch deutlich kräftiger um 6,9 Prozent zu. Dadurch verringere sich der nach wie vor große Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz etwas.
"Der deutschen Wirtschaft steht wegen der neuen Kontaktbeschränkungen und der Konsumzurückhaltung durch die neue Covid-Welle sowie der anhaltenden internationalen Lieferengpässe ein schwieriges Winterhalbjahr bevor, in dem das Bruttoinlandsprodukt stagniert oder sogar leicht schrumpfen könnte", sagte IMK-Chef Sebastian Dullien. Deshalb sei es wichtig, dass die Politik die beschäftigungssichernden Regelungen zum erleichterten Zugang und den verlängerten Bezug von Kurzarbeitsgeld nochmals bis zum Frühjahr 2022 verlängert habe.
"Sobald die aktuelle Infektionswelle aber wieder unter Kontrolle ist, ist mit einer kräftigen Fortsetzung der Erholung zu rechnen, weil es viel aufgestaute Konsumnachfrage gibt und gleichzeitig die Industrie volle Auftragsbücher hat, die zuletzt wegen des Halbleitermangels nicht abgearbeitet werden konnten", betonte Dullien. Die deutschen Privathaushalte hätten nach IMK-Schätzung in den Corona-Jahren 2020 und 2021 rund 180 Milliarden Euro zusätzlich gespart.
Das Budgetdefizit veranschlagen die Ökonomen 2021 auf 4,1 Prozent und 2022 auf 2,2 Prozent des BIP. Allerdings seien darin von der neuen Bundesregierung angekündigte zusätzliche Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung oder Ausgaben für Sozialreformen wie das Bürgergeld noch nicht enthalten, weil diese bislang nicht ausreichend konkret seien. Das IMK ging daher davon aus, "dass der Rückgang des Defizits infolge zusätzlicher Ausgaben eher geringer ausfällt als hier prognostiziert".
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December 21, 2021 04:00 ET (09:00 GMT)