Pharma-Aktien: Bayer zieht BioNTech, Pfizer und Moderna vor Gericht - Was Anleger über den Patentstreit wissen müssen
Eine Agrartechnologie aus den 1980er Jahren hält drei Impfstoffhersteller weiter vor Gericht fest. Für die Betroffenen droht ein langer Rechtsstreit mit ungleicher Risikoverteilung.
Werte in diesem Artikel
- US-Richter lehnt die Abweisung der Patentklage von Bayer gegen BioNTech & Co. ab
- Urteil in der Sache ist das nicht, das Verfahren geht nun weiter
- Möglicher Schaden würde BioNTech, Pfizer und Moderna ungleich treffen
BioNTech, Pfizer und Moderna müssen sich weiter gegen die Patentklage von Bayer verteidigen: Ein Bundesrichter in Delaware hat am Montag ihre Anträge abgelehnt, die Klagen der Tochter Monsanto frühzeitig abzuweisen. Die BioNTech-Aktie legte an der NASDAQ um 0,17 Prozent auf 86,35 US-Dollar zu, Moderna gewann derweil 3,13 Prozent auf 203,46 US-Dollar. Pfizer stieg an der NYSE um 0,02 Prozent auf 28,73 US-Dollar.
Worum Bayer und die Impfstoffhersteller streiten
Im Kern geht es um eine Erfindung aus den Laboren von Monsanto, wie Reuters berichtet. Bayer hatte die Klagen im Januar eingereicht und wirft den Konzernen vor, eine Technologie kopiert zu haben, die Monsanto in den 1980er Jahren entwickelte, um mRNA in Nutzpflanzen stabiler zu machen. Genau diesen Mechanismus sollen die Hersteller genutzt haben, um das genetische Material ihrer Impfstoffe gegen COVID-19 zu stabilisieren. Streitgegenstand ist das US-Patent Nr. 7,741,118, das Moderna in seinem Quartalsbericht als Schutzrecht für Verfahren zur Veränderung von Gensequenzen beschreibt. Parallel läuft vor einem Bundesgericht in New Jersey eine ähnliche Klage gegen Johnson & Johnson, das seinen Impfstoff in den USA bereits 2023 vom Markt genommen hatte.
Warum der Beschluss noch kein Urteil ist
Richter William Bryson befand, die Konzerne hätten in diesem frühen Verfahrensstadium weder dargelegt, dass das Patent ungültig sei, noch dass ihre Impfstoffe es nicht verletzten. Die Hersteller hatten argumentiert, ihre Produktionsverfahren funktionierten anders als die Technologie von Bayer. Moderna hielt zusätzlich dagegen, das Patent schütze ein nicht patentierbares Naturgesetz. Über die Frage, wer am Ende recht bekommt, ist damit nicht entschieden. Ein abgelehnter Antrag auf Klageabweisung bedeutet vor allem, dass der Streit in die aufwendige Phase der Beweisaufnahme übergeht, in der Gutachten und interne Unterlagen eine zentrale Rolle spielen. Für alle Beteiligten heißt das: mehr Zeit, mehr Kosten und vorerst keine Klarheit.
Moderna kennt die Rechnung solcher Streitfälle bereits
Für Moderna kommt die Klage zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern gerade eine teure Altlast begleicht. Am 3. März einigte sich Moderna mit Arbutus Biopharma und Genevant auf einen weltweiten Vergleich und zahlt dafür einmalig 950 Millionen US-Dollar, mehr als der gesamte Umsatz im ersten Halbjahr 2026 von 534 Millionen US-Dollar. Je nach Ausgang eines Berufungsverfahrens können bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar hinzukommen. Anders als bei Pfizer und BioNTech wächst das Geschäft mit Impfstoffen gegen COVID-19 bei Moderna immerhin: Der Umsatz damit hat sich im ersten Halbjahr 2026 auf 436 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt.
Bei Pfizer und BioNTech geht es um die Lastenteilung
Für Pfizer ist Comirnaty inzwischen ein Randgeschäft. Im ersten Halbjahr 2026 fiel der Umsatz mit dem gemeinsam mit BioNTech entwickelten Impfstoff auf 493 Millionen US-Dollar, nach 945 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Das entspricht weniger als zwei Prozent des Konzernumsatzes von 29,5 Milliarden US-Dollar. Allerdings wächst der Druck an anderer Front: Im Juli 2026 verklagten Tochtergesellschaften von Sanofi Pfizer wegen acht US-Patenten zum Impfstoff. Einen Erfolg feierten die Partner im selben Monat vor dem Einheitlichen Patentgericht, das ein Patent von Promosome für ungültig und nicht verletzt erklärte.
Für BioNTech wiegt der Streit schwerer, als der eigene Umsatzanteil vermuten lässt. Das Mainzer Unternehmen sieht in seinem Bericht vom 4. August starke Verteidigungsargumente, stuft den Ausgang aber zugleich als erheblich unsicher ein und bildete zum 30. Juni keine Rückstellung. Brisant ist ein Nebensatz: Unterliegt Pfizer in einem der Patentprozesse um den Impfstoff, könnte der Partner versuchen, sich die Verluste von BioNTech erstatten zu lassen. Dabei ist das eigene Impfstoffgeschäft stark geschrumpft.
Was das für Anleger bedeutet
An den laufenden Geschäften der drei Hersteller ändert der Beschluss zunächst nichts. Bayer verlangt nach Angaben aus dem Januar einen nicht bezifferten Schadenersatz und strebt ausdrücklich keinen Stopp der Impfstoffproduktion an. Auf dem Spiel steht damit kein Produkt, sondern Geld für bereits verkaufte Impfstoffe. Da die Beweisaufnahme erst beginnt, bleibt das Verfahren für Aktionäre vorerst ein offenes Risiko ohne Preisschild. Weder die Hersteller noch Bayer nennen eine Summe, um die es gehen könnte.
Wie stark ein möglicher Schadenersatz durchschlagen würde, unterscheidet sich je nach Wert deutlich. Bei Pfizer relativiert der breite Konzernumsatz das Risiko. Bei Moderna käme eine weitere Zahlung zum Arbutus-Vergleich hinzu, der laut Quartalsbericht im dritten Quartal 2026 fällig ist. Am empfindlichsten ist die Lage bei BioNTech, weil zu einer eigenen Belastung mögliche Erstattungsforderungen von Pfizer kommen könnten. Bayer, das selbst keine Impfstoffe gegen COVID-19 herstellt, winkt dagegen zusätzliches Geld aus einem alten Agrarpatent.
Evelyn Schmal, Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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