IMK-Studie: Energie-Entlastungspakete sozial weitgehend ausgewogen
BERLIN (Dow Jones)--Die Energie-Entlastungspakete der Bundesregierung sind laut einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) bei Erwerbstätigen sozial weitgehend ausgewogen. Die beiden Pakete mit einem Entlastungsvolumen von rund 30 Milliarden Euro kompensieren demnach zu einem beträchtlichen Teil die jüngst massiv angestiegenen Energiekosten bei Berufsstätigen. Allerdings seien bei Rentnern Defizite auszumachen. Bei ihnen werde nur ein geringer Teil der energiepreisbedingten Mehrausgaben staatlich ausgeglichen. Hier sollte die Bundesregierung daher laut IMK nachlegen.
Insbesondere bei Haushalten mit geringen und mittleren Einkommen und speziell bei Familien werde demnach ein besonders hoher Anteil der Mehrausgaben für Energie ausgeglichen, wie Berechnungen des IMK zeigen.
"Haushalte mit geringen Einkommen profitieren dabei vor allem von den Pauschalzahlungen aus dem zweiten Paket, Haushalte mit hohen Einkommen vor allem von den Erhöhungen von Freibeträgen und Pauschalen im Steuerrecht", erklärte Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. "Im Ergebnis werden so die Erwerbstätigen mit niedrigen und hohen Einkommen in absoluten Euro-Beträgen in ähnlichem Umfang entlastet."
Nach IMK-Berechnungen summieren sich die Entlastungen bei einer Familie mit zwei erwerbstätigen Erwachsenen, zwei Kindern und einem unterdurchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommen von 2.000 bis 2.600 Euro auf rund 90 Prozent der zusätzlichen Belastungen. Bei einer vergleichbaren Familie mit einem mittleren Einkommen von 3.600 bis 5.000 Euro netto seien es 77 Prozent.
Spürbar niedriger falle die Entlastung bei Familien aus, in denen nur ein Elternteil erwerbstätig ist: Sie liegt demnach bei einer vierköpfigen Familie mit 2.600 bis 3.600 Euro Nettoeinkommen bei 59 Prozent. Bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern und einem mittleren Einkommen für diesen Haushaltstyp von 2.000 bis 2.600 Euro seien es 70 Prozent.
Bei alleinlebenden Erwerbstägigen mit niedrigen Nettoeinkommen von bis zu 900 Euro werden die Mehrbelastungen durch teurere Energie laut IMK zu rund 76 Prozent ausgeglichen, bei jenen mit hohen Einkommen von mehr als 5.000 Euro zu 44 Prozent.
Laut IMK steht den Privathaushalten angesichts der jüngst massiv gestiegenen Inflation ein "schmerzhafter Kaufkraftverlust" bevor.
Nachbesserungen bei Rentnern nötig
Dullien appellierte an die Bundesregierung, dass auch die Rentner stärker entlastet werden sollten. "Zwar dürften die Renten im laufenden Jahr kräftig steigen, dies gleicht aber nicht die gestiegenen Preise aus", so Dullien. Auch müsse man mit beachten, dass die Renten im vergangenen Jahr nicht gestiegen seien.
Die Bundesregierung hat aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten und des Ukraine-Kriegs innerhalb weniger Wochen zwei milliardenschwere Entlastungspakete vorgelegt. Sie sehen die Erhöhung der Steuerfreibeträge, die Auszahlung einer Energiepreispauschale für Erwerbstätige sowie eines Familienzuschusses für Eltern mit Kindern vor. Außerdem wird die Abschaffung der EEG-Umlage vorgezogen und die Energiesteuer auf Kraftstoffe vorübergehend abgesenkt.
Die IMK-Wissenschaftler fordern in ihrer Studie die Bundesregierung zudem auf, einen stärkeren Fokus auf Maßnahmen zum Energiesparen zu legen. Außerdem wäre es sinnvoll, die Subventionierung der Kraftstoffe über eine entsprechende Abgabe bei wieder niedrigeren Ölpreisen zu finanzieren.
"Das würde nicht nur verteilungspolitischen Bedenken gerecht, sondern würde auch verhindern, dass Energiepreisschocks in Zukunft in gleichem Maße auf die Inflation durchschlagen", so der Wissenschaftler.
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April 11, 2022 03:50 ET (07:50 GMT)