IMK: Teil-Lockdown wird BIP im vierten Quartal drücken
BERLIN (Dow Jones)--Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet wegen des neuen Teil-Lockdowns nicht länger ein robustes Wachstum im vierten Quartal. Insgesamt sei der von der Bundesregierung gesetzte Fokus, soziale Kontakte einzuschränken und das produzierende Gewerbe, Schule, Kitas und Grenzen offen zu halten, richtig, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK Sebastian Dullien. Trotzdem werde die Maßnahmen die Wirtschaftsaktivität im November, und damit im vierten Quartal, spürbar treffen.
"Bislang war das IMK davon ausgegangen, dass die Wirtschaft nach einem Rekordwachstum im dritten Quartal 2020 einen schwächeren, aber immer noch robusten Zuwachs im vierten Quartal erleben würde. Diese Vorhersage für das vierte Quartal ist nun hinfällig", so Dullien. "Allerdings ist die Hoffnung berechtigt, dass sich der wirtschaftliche Schaden begrenzen lässt und die deutsche Wirtschaft keinen neuen dramatischen Einbruch wie im Frühjahr erleben wird."
Restaurants, Hotels und Freizeiteinrichtungen hätten einen recht geringen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Im Gesamtjahr 2019 habe die gesamte Bruttowertschöpfung des Gastgewerbes gerade 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgemacht. Eine grobe Schätzung lasse darauf schließen, dass eine Gesamtschließung der Branche für einen Monat (November) ein Minus beim BIP von etwa 0,6 Prozent im Quartalsvergleich ausmachen würde, so das IMK.
"Solange die Grenzen aufbleiben und die Störungen der Wirtschaftstätigkeit bei den Handelspartnern begrenzt bleiben, könnte dieses Minus sogar von einem Plus des verarbeitenden Gewerbes weitgehend aufgefangen werden", so Dullien. Grund sei, dass die Industrie im dritten Quartal noch nicht wieder voll hochgefahren war und sich bis in den Oktober hinein eine deutliche Aufholdynamik abgezeichnet hatte.
Insgesamt bestünde für Deutschland die Herausforderung, Betriebe in den besonders betroffenen Sektoren vor der Insolvenz zu bewahren. Hier sei der Ansatz der Regierung sinnvoll, Umsatzausfälle zu kompensieren. Allerdings wäre es gut, dies an Bedingungen zu knüpfen, etwa zum Erhalt von Jobs, so IMK. Auf der Beschäftigtenseite wäre es sinnvoll, für Kurzarbeiter in den betroffenen Branchen das Kurzarbeitergeld im November ebenfalls aufzustocken, sagte Dullien.
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October 29, 2020 04:21 ET (08:21 GMT)