National Grid-Aktie und Co.: Dieser Fondsmanager setzt gegen den KI-Hype auf Infrastruktur
Während alle auf KI und Rechenzentren starren, sucht ein Lazard-Fondsmanager seine Favoriten bei Straßen, Wasser und Funktürmen.
Werte in diesem Artikel
- Lazard-Fondsmanager Bertrand Cliquet setzt gegen den KI-Hype auf Infrastruktur
- Cliquet bevorzugt regulierte Versorger mit planbaren, langfristigen Erträgen
- Über die Hälfte des Portfolios steckt in Europa statt in den USA
Während die Börse gebannt auf künstliche Intelligenz und den Bau neuer Rechenzentren blickt, sucht Bertrand Cliquet seine Favoriten bewusst anderswo. Der Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Lazard setzt auf das Unspektakuläre: Stromnetze, Wasserversorger, Mautstraßen und Funktürme. Genau dort steckten die langfristigen Ertragschancen, die der KI-Rausch übersehe, sagte Cliquet Anfang August im Interview mit MarketWatch.
Warum Infrastruktur mehr ist als der KI-Hype
Cliquet steuert das rund 12 Milliarden US-Dollar schwere Lazard Global Listed Infrastructure Portfolio, dazu einen ähnlichen Fonds und einen jüngeren Infrastruktur-ETF. Sein Ansatz zielt auf risikoärmere Geschäftsmodelle, die als Puffer zwischen Anleihen und Aktien dienen sollen. Entscheidend seien Unternehmen, die über Regulierung oder Konzessionsverträge langfristig planbare Zahlungsströme sichern und so für verlässliche Renditen und Kapitalerhalt sorgen. Lange sei die Branche beim organischen Wachstum ausgesprochen behäbig gewesen, sagte er, doch inzwischen könnten die Konzerne spürbar mehr bauen. Die Rechnung für die Volkswirtschaft sei simpel: Wer seine Infrastruktur nicht ausbaue und die Menschen im Stau stehen lasse, verliere massiv an Wirtschaftsleistung.
In Europa liegen die längeren Wachstumstreiber
Aus Cliquets Sicht liegt der Reiz vieler Titel gerade nicht in der KI-Fantasie. Rund die Hälfte des Portfolios entfällt auf Europa und Großbritannien, nur gut ein Viertel auf die USA. Über europäische Namen wie Ferrovial und VINCI setzt der Fonds auf Betreiber von Mautstraßen und Verkehrsinfrastruktur. In den Telefonkonferenzen vieler regulierter US-Versorger drehe sich fast alles um KI und Rechenzentren, sagte Cliquet, in Europa dagegen finde er ein überzeugendes Bündel langfristiger Treiber. Die Energiewende habe seit Beginn des Ukraine-Kriegs an Bedeutung gewonnen, wiederkehrende Dürren zwängen Versorger zu hohen Investitionen in Wasser und Entsalzung. Solche Treiber reichten über fünf Jahre hinaus, während Rechenzentren nur das Sahnehäubchen seien.
Regulierte Versorger mit stabilem Fundament
Zu den wichtigsten Positionen zählt der britische Strom- und Gasnetzbetreiber National Grid, der rund 45 Prozent seines Geschäfts in den USA macht. Das Unternehmen treibe den Umbau des britischen Netzes voran, um die Windkraft aus der Nordsee anzubinden, und arbeite auch in seinen US-Regionen ausgesprochen effizient, so Cliquet. Beim Versorger Exelon lobt er zuverlässige Netze zu vergleichsweise günstigen Tarifen und einen betont vorsichtigen Umgang mit Rechenzentren: Wer dort Strom für ein Rechenzentrum anzapfen wolle, müsse über Sicherungsvereinbarungen hohe Sicherheiten hinterlegen. Auch Consolidated Edison, faktisch Monopolversorger für Manhattan, gehöre dazu, gerade weil das Geschäft kaum vom Boom der Rechenzentren abhänge und die Regulierung in New York verlässlich sei.
Funkturmbetreiber: aus der Mode, aber gefragt
Ergänzt wird das Depot durch die Funkturmbetreiber American Tower und Crown Castle, die mit langfristigen Mietverträgen arbeiten. Vor einigen Jahren seien sie noch gefeierte Wachstumswerte mit hohen Bewertungen gewesen, dann hätten die gestiegenen Zinsen die Kurse gedrückt, sagte Cliquet. Die Perspektiven hält er weiter für solide: Die Türme seien eine effiziente Ergänzung zur Satellitentechnik und lieferten Diensten wie dem 5G-Mobilfunk eine günstige Grundlage. Ein Entweder-oder sieht er darin nicht.
Ob Cliquets Wette aufgeht, entscheidet sich weniger am KI-Zyklus als am Zinspfad und an der Frage, ob die europäischen Treiber wirklich über Jahre tragen. Den nächsten Anhaltspunkt liefern die kommenden Quartalsberichte der regulierten Versorger und Funkturmbetreiber, in denen sich Investitionstempo und Zinslast ablesen lassen.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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