Insolvenzen in Deutschland weiter deutlich unter Vorjahresniveau
WIESBADEN (Dow Jones)--Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im August erneut von der teilweise ausgesetzten Insolvenzantragspflicht beeinflusst gewesen. Im August haben die deutschen Amtsgerichte 1.051 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 35,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. "Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider", erklärte Destatis. "Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen vom 1. März bis zum 30. September 2020 ausgesetzt wurde."
Vom 1. März bis zum 30. September waren Unternehmen, deren Insolvenzreife (Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung) auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie beruhte und die Aussichten darauf hatten, eine bestehende Zahlungsunfähigkeit zu beseitigen, von der Insolvenzantragspflicht befreit.
Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im August im Baugewerbe mit 173 Fällen (Vorjahr: 266). Unternehmen im Wirtschaftsbereich Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) stellten 165 Insolvenzanträge (Vorjahr: 280). Im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen wurden 129 (Vorjahr: 168) und im Gastgewerbe 123 (Vorjahr: 193) Insolvenzanträge gemeldet. Ansteigende Zahlen waren nur in wenigen Segmenten zu verzeichnen, unter anderem im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 23 auf 31 Verfahren.
Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen stiegen im August auf 17,4 Milliarden Euro. Im Vorjahresmonat hatten sie noch bei 1,6 Milliarden Euro gelegen. "Der Anstieg auf die außerordentlich hohe Forderungssumme setzt sich maßgeblich aus der gesamtschuldnerischen Haftung mehrerer Tochtergesellschaften eines in die Insolvenz geratenen Großunternehmens zusammen", erklärte Destatis. "Dabei haftet jede der zur Insolvenz angemeldeten Tochtergesellschaften des Großunternehmens in Höhe der voraussichtlichen Forderungen des gesamten Großunternehmens, sodass es zu einer Mehrfachzählung kommt."
Auch für den Oktober zeigen die vorläufigen Angaben zu den eröffneten Regelinsolvenzen wie bereits in den Vormonaten eine deutliche Abnahme an Verfahren. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren um 45,8 Prozent.
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November 13, 2020 02:27 ET (07:27 GMT)