IW: Bei Wirtschaftswachstum relativieren sich Corona-Schulden
Von Andreas Kißler
KÖLN/BERLIN (Dow Jones)--Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat eine Konzentration auf mehr Wirtschaftswachstum durch digitale Innovationen angemahnt, um den nach der Corona-Krise hohen Schuldenstand wieder zu senken. "Auch wenn die Neuverschuldung und der Schuldenstand astronomisch hoch klingen, besteht kein Grund zur haushaltspolitischen Panik", erklärte IW-Ökonom Tobias Hentze. "Wenn nach der Krise schnell wieder wirtschaftliche Dynamik in Gang kommt, relativieren sich die Schulden ganz nebenbei von allein."
Zwar wachse "mit jeder weiteren Woche Lockdown das Loch in der Staatskasse", konstatierte er. Die Maastricht-Schuldenstandsquote werde damit von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes vor der Krise auf mehr als 70 Prozent nach oben schnellen. Jedoch relativierten sich die Werte bei einem Vergleich mit der Wirtschafts- und Finanzkrise vor gut zehn Jahren, als die Schuldenstandsquote ein Niveau von 82 Prozent erreicht habe.
Um Ende dieses Jahrzehnts wieder bei 60 Prozent zu stehen, bedürfe es allerdings "eines gesellschaftlichen Kraftakts", erklärte der Ökonom des arbeitgebernahen Instituts. Anders als nach der Finanzkrise sei die Beschäftigungsquote bereits sehr hoch, und die Zinsen seien am Tiefpunkt. Das Potenzial für mehr Beschäftigung und noch weniger Zinsausgaben sei somit gering. "Innovationen durch digitale Ansätze sind ein Schlüssel für Wirtschaftswachstum", betonte Hentze. "Steuererhöhungen oder eine Kürzung der Investitionen wären dagegen der falsche Weg."
Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com
DJG/ank/apo
(END) Dow Jones Newswires
February 24, 2021 04:05 ET (09:05 GMT)