IW: Gas-Lieferstopp würde große Schäden verursachen


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat vor einem "unkalkulierbaren Risiko" für den Fall eines vollständigen Lieferstopps von Gas aus Russland gewarnt. "Ein Lieferstopp von Nord Stream 1 oder der Ukraine-Leitung wäre mengenmäßig für eine gewisse Zeit kompensierbar, würde aber durch sehr hohe Preise große Schäden verursachen", erklärte IW-Ökonom Thilo Schaefer in einer Mitteilung. Würde das komplette russische Pipelinegas ausbleiben, entstünde laut dem Thinktank Bruegel eine Lücke von 1.550 TWh. Dem hätten 2021 freie Kapazitäten an Flüssiggas (LNG) von etwa 1.160 TWh gegenübergestanden.

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Jedoch seien die tatsächlich nutzbaren Kapazitäten deutlich geringer. Neben begrenzten Produktionskapazitäten in den Exportländern und meist langfristigen LNG-Verträgen hapere es vor allem am innereuropäischen LNG-Weitertransport. Ein von Wissenschaftlern als kurzfristige Lösung propagierter geringerer Verbrauch würde vor allem die Industrie treffen, die über einen längeren Zeitraum erhebliche Einschränkungen ihrer Produktion hinnehmen müsste. "Damit einher ginge ein hohes wirtschaftliches und soziales Risiko", warnte er. Zudem sei unwahrscheinlich, dass deutsche und europäische Privatverbraucher und Unternehmen ihren Verbrauch sogar über Jahre einschränkten.

Eine gemeinsame europäische LNG-Beschaffung könnte laut IW aber etwas Luft verschaffen: Würde Europa gemeinsam LNG auf dem Weltmarkt einkaufen, wäre die Verhandlungsstrategie deutlich komfortabler. Alternativ könnte auch der Staat möglichst viel am LNG-Markt kaufen und marktgerecht im Inland anbieten, das würde die Nachfrage nach russischem Gas senken, während der Staat Defizite selbst finanzieren würde. "Verantwortliche Politik muss die Gesamtwirkung, die durch Kollateraleffekte beim Import kritischer Rohstoffe und weiter ausgeweiteten Produktionsausfall drohen kann, beachten", sagte IW-Direktor Michael Hüther. "Mittelfristig müssen wir alles tun, um vom russischen Gas unabhängig zu werden und dafür den Ausbau erneuerbarer Energien forcieren."

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