IWH erwartet keine Insolvenzwelle für die kommenden Monate


BERLIN (Dow Jones)--Für die kommenden Monate ist wegen der Corona-Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung nicht mit einem spürbaren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen. Wie aus dem Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervorgeht, stabilisiert sich die Zahl der Insolvenzen im September auf niedrigem Niveau, wobei die Anzahl der betroffenen Jobs jedoch hoch ist.

Werbung

Im vorigen Monat wurden 702 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet. Somit lag im September die Zahl der Insolvenzen wie auch im August nur bei etwa drei Vierteln des Vorjahresmonats.

"Die niedrigen Insolvenzzahlen dürften ihre Ursachen in den staatlichen Rettungspaketen und der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht haben", erklärte Steffen Müller vom IWH. Die teilweise Rückkehr zur Insolvenzantragspflicht ab 1. Oktober könnte zwar zu einem Anstieg der Insolvenzneuanmeldungen führen. "Eine Insolvenzwelle wird es in diesem Jahr aber voraussichtlich nicht mehr geben", so Müller. Schließlich habe die Regierung andere Rettungsmaßnahmen wie zum Beispiel das Kurzarbeitergeld jüngst verlängert und vielen Unternehmen dadurch Spielräume eröffnet. Hinzu komme, dass weitere Änderungen im Insolvenzrecht für die nächsten Monate angekündigt wurden und manches Unternehmen daher zögerlich seien, noch in diesem Jahr Insolvenz anzumelden.

IWH erwartet auch keine Insolvenzwelle für 2021

Trotz der niedrigen Insolvenzzahlen waren laut IWH-Analyse im September wieder viele Jobs betroffen. Die größten zehn Prozent der Unternehmen, deren Insolvenz im September gemeldet wurde, beschäftigten insgesamt knapp 16.000 Personen. Zu Jahresbeginn waren es hingegen nur etwa 6.700 pro Monat. Grund für diese Entwicklung sei, dass nach wie vor verstärkt besonders große Unternehmen in die Insolvenz gingen, so das IWH.

Werbung

Die Wirtschaft scheine sich langsam zu erholen, und die Politik sei wohl nicht an einer Insolvenzwelle im nächsten Jahr interessiert.

Sollte es dabei bleiben, erwartet Müller auch nach vollständiger Rückkehr zur Insolvenzantragspflicht zu Beginn des nächsten Jahres keine dramatische Insolvenzentwicklung. "Der Nachholeffekt bei den Insolvenzen wird eher über einen längeren Zeitraum verteilt stattfinden", prognostiziert Müller.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/jhe

(END) Dow Jones Newswires

October 06, 2020 04:30 ET (08:30 GMT)

Werbung