IWH: Zahl der Insolvenzen steigt im März erneut an
BERLIN (Dow Jones)--Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im März erneut und deutlich kräftiger angestiegen. Sie erhöhte sich gegenüber Februar um mehr als 20 Prozent auf 870 Personen- und Kapitalgesellschaften und erreichte damit fast das Niveau des Vorjahresmonats, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) unter Verweis auf den IWH-Insolvenztrend mitteilte. Im gesamten Corona-Jahr 2020 waren die Firmenpleiten wegen der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht noch um 15,5 Prozent gesunken und hatten damit den niedrigsten Stand seit 1999 erreicht.
Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs blieb im März immerhin konstant: Das größte Zehntel der Unternehmen beschäftigte insgesamt knapp 8.000 Personen. Den Anstieg der Firmeninsolvenzen führt das IWH daher eher auf Kleinstunternehmen und Selbstständige zurück: Neben dem anhaltend schwierigen Pandemiegeschehen sei ein weiterer möglicher Grund der seit 1. Januar 2021 erleichterte Zugang zur Restschuldbefreiung auch für Selbstständige. Diese Gesetzesänderung verringert für die Betroffenen die negativen Konsequenzen einer Insolvenz, so das IWH.
Die Gruppe der Kleinstunternehmen ist zwar für einen erheblichen Teil der Insolvenzen verantwortlich, in der Vergangenheit gingen jedoch nur etwa 10 Prozent der betroffenen Arbeitsplätze auf derartige Fälle zurück. "Insolvenzen vieler Kleinstunternehmen sind aus ökonomischer Sicht oft weniger einschneidend als eine Handvoll Großinsolvenzen", sagt IWH-Forscher Steffen Müller. Denn bei Großinsolvenzen seien nicht nur viel mehr Jobs betroffen, auch die Lohnverluste der Beschäftigten seien viel höher.
Kontakt zur Autorin: petra.sorge@wsj.com
DJG/pso/sha
(END) Dow Jones Newswires
April 08, 2021 04:14 ET (08:14 GMT)