Goldman Sachs warnt vor Verdrängungseffekten durch KI-Investitionen
Goldman Sachs sieht in den stark steigenden Ausgaben für künstliche Intelligenz ein mögliches Risiko für andere Unternehmensinvestitionen.
Werte in diesem Artikel
• KI-Investitionen in den USA erreichen 2026 laut Goldman Sachs rund 600 Milliarden US-Dollar
• Zwei Drittel der Unternehmensausgaben für KI-Dienste stammen aus Kürzungen an anderer Stelle
• Goldman Sachs beziffert den zusätzlichen Verdrängungseffekt für 2026 auf etwa 50 Milliarden US-Dollar
Analystin sieht wachsenden Anteil der KI-Ausgaben an Unternehmensinvestitionen
Goldman Sachs Analystin Jessica Rindels beziffert die Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) in den USA für das Jahr 2026 laut investing.com auf fast 600 Milliarden US-Dollar. Das entspreche nahezu zwei Prozent der US-Wirtschaftsleistung und mache einen Anteil von mehr als zehn Prozent an den unternehmerischen Anlageinvestitionen aus. Vor diesem Hintergrund stelle sich laut Rindels die Frage, ob die stark wachsenden KI-Ausgaben andere Investitionen verdrängen, zumal ein erheblicher Teil der Mittel in importierte Technologiegüter fließt.
Finanzierung über Kredite statt Aktienrückkäufe
Nach Angaben von Goldman Sachs haben die großen Hyperscaler ihre KI-Investitionen zu einem großen Teil durch reduzierte Aktienrückkäufe finanziert und sind zugleich bereit, sich trotz hoher Zinsen weiter zu verschulden. Eine Umfrage unter Unternehmen, die KI-Dienste nutzen, ergab, dass die damit verbundenen Kosten moderat ausfallen, wobei rund zwei Drittel davon durch Einsparungen an anderer Stelle gegenfinanziert werden. Im Bausektor ist der Anteil von Rechenzentren an den privaten nichtresidentiellen Bauinvestitionen auf neun Prozent gestiegen. Dieser Anstieg fiel zeitlich mit einem Rückgang bei staatlich geförderten Fabrikbauten zusammen, wodurch sich die Nachfrage nach Baukapazitäten laut Goldman Sachs bundesweit nur begrenzt verdrängend ausgewirkt hat.
Verdrängungseffekt laut Goldman Sachs bislang gering
Auch am Kreditmarkt beobachtet Goldman Sachs Effekte durch die KI-Finanzierung, die inzwischen fast ein Viertel der Emissionen von Investment-Grade-Anleihen ausmacht. Übergreifende Auswirkungen auf andere Kreditnehmer blieben demnach begrenzt. Die Risikoaufschläge außerhalb des KI-Sektors liegen nahe historischer Tiefstände. In der Gesamtbetrachtung kommt Goldman Sachs zu dem Schluss, dass sowohl der Wachstumsbeitrag der KI-Investitionen zum Bruttoinlandsprodukt als auch die Verdrängungseffekte kleiner ausfallen als vielfach angenommen. Für 2026 beziffert die Bank den zusätzlichen Verdrängungseffekt auf etwa 50 Milliarden US-Dollar. Ergänzend hält Goldman Sachs Research in einer weiteren Analyse fest, dass die weltweiten KI-Investitionen 2026 erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar überschreiten dürften, davon rund 581 Milliarden US-Dollar in den USA, während viele Unternehmen noch keine messbaren Erträge aus ihren KI-Ausgaben erzielt haben.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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