Oura-Aktie vor Börsendebüt: Großteil der IPO-Erlöse geht an Altaktionäre - Lohnt sich ein Einstieg dennoch?
Beim Börsengang von Oura fließen rund 1,53 Milliarden US-Dollar an Altaktionäre, während dem Unternehmen selbst nur ein Bruchteil der Erlöse bleibt.
Werte in diesem Artikel
- Altaktionäre kassieren beim Börsengang deutlich mehr als das Unternehmen
- Eli Lilly und Dragoneer signalisieren großes Kaufinteresse
- Whoop und Samsung machen Oura das Wearable-Geschäft streitig
Oura, Hersteller des Gesundheits-Sensorrings Oura Ring, steht vor dem Börsengang an der NASDAQ. Die Preisspanne liegt zwischen 40 und 44 US-Dollar je Aktie, die Notierung unter dem Kürzel OURA ist für die Woche ab dem 28. September vorgesehen. Auffällig: Der Großteil der angebotenen Aktien stammt nicht aus einer Kapitalerhöhung, sondern von Altaktionären, die aussteigen wollen.
Oura strebt an die NASDAQ
Von den insgesamt 50 Millionen angebotenen Aktien stammen 13,5 Millionen aus dem Unternehmen selbst, 36,5 Millionen kommen von bestehenden Aktionären. Hinzu kommt eine Mehrzuteilungsoption der Altaktionäre über bis zu 7,5 Millionen weitere Aktien, die die Konsortialbanken innerhalb von 30 Tagen ziehen können. Als Konsortialführer fungieren Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan, Allen & Company und Jefferies Financial Group, als weitere Bookrunner treten unter anderem Bank of America, Barclays und Wells Fargo auf, Robinhood übernimmt die Rolle des Co-Managers.
Bei einer Preisfestsetzung in der Mitte der Spanne von 42 US-Dollar käme Oura auf einen voll verwässerten Marktwert von 14,9 Milliarden US-Dollar. Als Ankerinvestoren haben Eli Lilly und Dragoneer Investment Group Interesse am Kauf von Aktien im Volumen von bis zu 400 Millionen US-Dollar signalisiert. Das entspricht etwa 19 Prozent des Emissionsvolumens. Nach Berechnungen von TechCrunch fließen bei einer Notierung zum Spannenmittelwert von 42 US-Dollar rund 1,53 Milliarden US-Dollar an die verkaufenden Altaktionäre und rund 567 Millionen US-Dollar an das Unternehmen selbst, jeweils vor Gebühren.
Oura wächst stark, doch der IPO bringt wenig frisches Kapital
Im aktualisierten S-1-Dokument erwartet Oura zum Ende des Geschäftsjahres 2026 rund 5,7 Millionen zahlende Mitglieder, ein Plus von 96 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben vor allem vom Oura Ring 5. Zur Jahresmitte zählte das Unternehmen bereits 5 Millionen Mitglieder in 56 Märkten bei einer Zwölfmonats-Bindungsrate von rund 85 Prozent. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres stand ein Nettogewinn von 61 Millionen US-Dollar bei 1,2 Milliarden US-Dollar Umsatz zu Buche, nach nur 1 Million US-Dollar Gewinn im Vorjahreszeitraum.
Von den erwarteten Nettoerlösen des Unternehmens von rund 532,6 Millionen US-Dollar sollen jedoch etwa 526,4 Millionen US-Dollar für Steuerverpflichtungen im Zusammenhang mit Mitarbeiteraktien verwendet werden. Für allgemeine Unternehmenszwecke blieben damit nur rund 6,2 Millionen US-Dollar. Der Wagniskapitalgeber Forerunner Ventures will zudem seinen kompletten Anteil von 9,3 Prozent verkaufen, was rund 1,2 Milliarden US-Dollar entspräche. Das S-1 weist zudem einen Nettoverlust für Stammaktionäre von 924,3 Millionen US-Dollar aus, verursacht durch eine buchhalterische Sonderdividende an Inhaber wandelbarer Vorzugsaktien. Oura sieht sich zudem einer Sammelklage ausgesetzt, die dem Unternehmen vorwirft, Verbraucher über die Genauigkeit seiner Schlaftracking-Funktionen irregeführt zu haben, was Oura zurückweist.
Wettbewerbsvergleich: Whoop, Samsung und Google
Für einen Vergleich zum Einstiegszeitpunkt bietet sich Whoop an, das im März in einer Series-G-Runde 575 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 10,1 Milliarden US-Dollar einsammelte, etwa das Dreifache seiner zuvor bekannten Bewertung aus dem Jahr 2021. Whoop kam zum Jahreswechsel 2025/26 auf mehr als 2,5 Millionen Mitglieder und eine annualisierte Buchungsrate von 1,1 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 103 Prozent gegenüber dem Vorjahr, hat aber bislang keinen IPO-Termin genannt. Weitere Konkurrenten sind Samsungs Galaxy Ring sowie das neu aufgelegte Fitbit von Alphabet.
Oura-Aktie voraus: Was Anleger zum IPO wissen sollten
Für Anleger stellt sich damit vor allem die Frage, ob die hohe Bewertung durch das Wachstum gerechtfertigt ist. Oura wächst bei Umsatz und Mitgliederzahl derzeit dynamisch und schreibt inzwischen deutlich höhere Gewinne. Dem steht jedoch eine Bewertung von rund 14,9 Milliarden US-Dollar zum angenommenen IPO-Preis von 42 US-Dollar gegenüber. Zudem fließt ein großer Teil des Emissionsvolumens an Altaktionäre und nicht in das operative Geschäft. Ob die Aktie zum Börsenstart attraktiv bewertet ist, dürfte daher maßgeblich davon abhängen, wie hoch der endgültige Emissionspreis ausfällt und wie der Markt das weitere Wachstum sowie die Konkurrenzsituation einschätzt.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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