Tesla-Aktie nach enttäuschendem Cybercab-Debüt: Warum Anleger die Robotaxi-Story hinterfragen sollten
Nach dem Cybercab-Launch Anfang September steht die Tesla-Bewertung auf dem Prüfstand, während Regulierer, Analysten und das China-Geschäft neue Fragen aufwerfen.
Werte in diesem Artikel
- Cybercab-Event ohne Musk lässt Anleger ratlos zurück
- Regulierer und Wettbewerber setzen Tesla unter Druck
- Analysten bleiben trotz hoher Investitionen zurückhaltend für Tesla-Aktie
Tesla, der Elektroautobauer aus Austin, kämpft nach dem lang erwarteten Cybercab-Launch mit einem Vertrauensverlust an der Börse. Die Präsentation Anfang September blieb deutlich hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie tragfähig die Bewertung ist, die zunehmend auf dem Robotaxi-Geschäft statt auf dem klassischen Fahrzeugverkauf ruht.
Cybercab-Auftritt ohne Musk enttäuscht
Am 3. September stellte Tesla den Cybercab bei einer geschlossenen Veranstaltung im ACL Live in Austin vor. Vier Führungskräfte, darunter Cheftechniker Eric Earley und Autonomie-Chef Ashok Elluswamy, hielten eine rund 15-minütige Präsentation. Elon Musk erschien nicht, ein angekündigter Livestream fand nicht statt. Ab dem Folgetag bot Tesla zahlende Cybercab-Fahrten in Austin an, wobei Nutzer berichteten, die Fahrpreise lägen unter denen für den Model Y.
Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend deutlich aus und die Aktie notierte tiefer. Fondsmanager Gary Black von Future Fund bezeichnete das Event auf der Plattform X als weitgehend enttäuschend, es sei ein schwacher Auftritt gewesen, während Gene Munster von Deepwater Asset Management für die Folgewochen rund 300 zusätzliche Cybercabs in Austin voraussagte, es würden demnach rund 300 weitere Fahrzeuge hinzukommen. Gerber-Kawasaki-Chef Ross Gerber erklärte bei CNBC, er halte deutlich mehr von SpaceX als von Tesla-Aktien, da Tesla anders als Musks Raumfahrtunternehmen nicht über ein eigenes Betriebssystem für seine Robotaxi-Flotte verfüge.
Regulierung und Wettbewerb bremsen Teslas Robotaxi-Erzählung
Anfang September eröffnete die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eine Audit-Anfrage zur Selbstzertifizierung des Cybercab, die rund 1000 Fahrzeuge betrifft, wie unter anderen Reuters berichtet. Bis zum Vorabend des Launches hatte Tesla keinen Ausnahmeantrag für das Fahrzeugdesign ohne Lenkrad, Pedale und Außenspiegel gestellt, obwohl US-Sicherheitsstandards ursprünglich für von Menschen gesteuerte Fahrzeuge geschrieben wurden. Zum Vergleich verwies 24/7 Wall St. auf Alphabets Tochter Waymo, die mehr als 500.000 vollautonome Fahrten pro Woche mit rund 1.000 Fahrzeugen verzeichnet haben soll, während zum Zeitpunkt des Launches erst 45 Tesla-Cybercabs und insgesamt 420 autonome Fahrzeuge in Texas registriert waren.
Dabei hatte Tesla zuvor in Nevada eine Zulassung für bis zu 5.000 Robotaxi-Fahrzeuge erhalten, fünfmal so viele wie Waymo und Uber dort jeweils zugestanden bekamen. Belastend wirkt zudem das laufende Fahrzeuggeschäft: Chinas Marktaufsicht ordnete laut Medienberichten Ende August einen Rückruf von rund 2,98 Millionen in China produzierten oder importierten Tesla-Fahrzeugen der Modelle 3, Y, S und X wegen unzureichend erkennbarer Notentriegelungsgriffe an. Die Einzelhandelsverkäufe in China waren im August im Jahresvergleich bereits um 12,4 Prozent auf 50.047 Fahrzeuge gefallen.
Tesla-Aktie: Kapitalbedarf trifft auf verhaltenes Analystenbild
Parallel zur Robotaxi-Entwicklung fährt Tesla die Investitionen hoch: Das Management kündigte für das laufende Jahr Ausgaben von mehr als 25 Milliarden US-Dollar an und bereitet Kreditfazilitäten von bis zu 30 Milliarden US-Dollar vor. Im zweiten Quartal hatten sich die Investitionsausgaben gegenüber dem Vorjahr auf 5,79 Milliarden US-Dollar verdoppelt, während der freie Cashflow mit minus 1,09 Milliarden US-Dollar negativ blieb. Der Finanzchef von Tesla erklärte, die Investitionsausgaben würden im zweiten Halbjahr weiter steigen.
Der Auslieferungsbericht für das dritte Quartal wird Anfang Oktober erwartet, im Vorjahresquartal hatte Tesla 497.099 Fahrzeuge ausgeliefert. Am Analystenmarkt überwiegt Zurückhaltung: Barclays-Analyst Dan Levy stufte die Aktie zuletzt mit Hold und einem Kursziel von 370 US-Dollar ein. Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan hatten zuvor bereits ähnliche Einschätzungen mit Kurszielen zwischen 360 und 445 US-Dollar abgegeben. Der Analystenkonsens kommt auf ein mittleres Kursziel von 388,85 US-Dollar. Die Spanne der 25 erfassten Einschätzungen reicht von 24,86 bis 505 US-Dollar.
Warnung für Tesla-Anleger?
Bei Tesla stehen derzeit hohe Investitionen und ambitionierte Erwartungen an das Robotaxi-Geschäft einer Reihe von Unsicherheiten gegenüber. Dazu zählen die Entwicklung des klassischen Fahrzeuggeschäfts, der regulatorische Rahmen für autonome Fahrzeuge sowie die Frage, wann und in welchem Umfang sich die hohen Ausgaben in zusätzlichen Umsätzen und Cashflows niederschlagen. Anleger sollten daher insbesondere die operative Entwicklung, den Kapitalbedarf und den Fortschritt beim Ausbau des Robotaxi-Geschäfts im Blick behalten.
Im Mittelpunkt der kommenden Wochen steht der Auslieferungsbericht für das dritte Quartal, der zeigen dürfte, wie stark das klassische Fahrzeuggeschäft unter Rückruf und schwächelnder China-Nachfrage leidet. Für die Robotaxi-Erzählung dürfte zudem entscheidend sein, wie schnell Tesla die Flotte in Texas ausweitet und wie die NHTSA-Prüfung der Cybercab-Zertifizierung ausgeht.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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