KI-Bremse trifft Chipwerte

Tech-Aktien stürzen ab: Warum die NVIDIA-Aktie jetzt den entscheidenden Vorteil haben könnte


Tech-Aktien stürzen ab: Warum die NVIDIA-Aktie jetzt den entscheidenden Vorteil haben könnte

Die KI-Bremse trifft Techwerte weltweit hart - auch den Branchengiganten NVIDIA. Warum der Chipriese trotzdem besser aufgestellt sein könnte als gedacht.

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  • Anthropic-Chef Amodei fordert eine bewusste Drosselung der KI-Entwicklung
  • Altman sagt OpenAI-Börsengang 2026 ab
  • NVIDIA setzt auf Open-Source-Partner und Kunden außerhalb der Chatbot-Welt
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NVIDIA-Aktien geraten im breiten Sog des Techsektors unter Druck, nachdem die Chefs von Anthropic und OpenAI übers Wochenende zu einer bewussten Verlangsamung der KI-Entwicklung aufgerufen hatten. Die Sorge: Sollten die beiden wichtigen Kunden des Chipherstellers ihr Tempo drosseln, könnte das die erhoffte Nachfrage und mögliche Börsengänge verzögern. NVIDIA, das Grafikprozessoren für Künstliche Intelligenz herstellt, hat sein Geschäft in diesem Jahr allerdings bereits breiter aufgestellt.

Warnung bremst Chipwerte

Anthropic-Chef Dario Amodei rief in einem am Samstag veröffentlichten Essay dazu auf, das Tempo der KI-Entwicklung bewusst zu drosseln. Er warnte, autonome KI-Agentenschwärme könnten binnen sechs bis zwölf Monaten in der Lage sein, das gesamte Internet mit einem dauerhaften Botnetz zu kapern und Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden US-Dollar zu verursachen. OpenAI-Chef Sam Altman schloss sich Stunden später an: "Ich stimme Dario zu, dass wir das Tempo an der Grenze anpassen müssen", schrieb er und kündigte an, künftig externen Prüfern Zugang zu gewähren. Zudem hat Altman den für dieses Jahr erwarteten Börsengang von OpenAI zunächst abgesagt.

Aktien aus dem Sektor werden abverkauft

Am Montag reagierten Anleger ernüchtert auf die jüngsten Entwicklungen: NVIDIA-Aktien fielen letztlich an der NASDAQ um 3,36 Prozent auf 210,96 US-Dollar. Auch Broadcom, Anbieter von Halbleitern für Netzwerke und Rechenzentren, sowie AMD rutschen ab, ebenso wie zahlreiche andere Chip- und KI-Aktien rund um den Globus. Investor Chamath Palihapitiya vermutet hinter Amodeis Vorstoß dagegen vielmehr strategisches Kalkül und schrieb auf X, Amodei wolle im Kern gegen Open-Source-Modelle argumentieren, um wirtschaftliche und technologische Macht bei Anthropic zu bündeln.

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NVIDIA sichert sich gegen Klumpenrisiko ab

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Unterdessen könnte sich KI-Gigant NVIDIA in der aktuellen Gemengelage als beste Anlegeroption entpuppen. Denn der Halbleiterriese hat seine Beteiligungsstrategie in der KI-Branche breit aufgestellt: Neben der im Februar zugesagten Investition von bis zu 30 Milliarden US-Dollar in OpenAI (bei einer Bewertung von circa 730 Milliarden US-Dollar) verankerte NVIDIA Ende 2025 auch bis zu 10 Milliarden US-Dollar beim Konkurrenten Anthropic, dessen Bewertung damals auf rund 350 Milliarden US-Dollar taxiert wurde. Verzögern sich bei diesen Akteuren die IPO-Pläne oder flacht das Expansionstempo ab, mindert dies die erwarteten Bewertungsgewinne aus diesen Finanzengagements.

Um der Konzentration auf wenige Großabnehmer aktiv entgegenzuwirken, setzt NVIDIA gezielt auf ein breiteres Fundament aus Branchen-Start-ups und Open-Source-Initiativen. Ein zentraler Baustein ist die Anfang September vereinbarte Übernahme von Hugging Face für 12,93 Milliarden US-Dollar. CEO Jensen Huang betonte, die Plattforminfrastruktur weiter auszubauen, um Entwicklern und Organisationen weltweit den KI-Zugang zu erleichtern – explizit auch ohne zwingende Bindung an NVIDIA-Hardware. Die Community umfasst laut Unternehmensangaben mittlerweile über 18 Millionen Entwickler sowie mehr als 200.000 Firmen, die dort Modelle und Datensätze austauschen.

SpaceX und Rechenzentren im All

Abseits klassischer Software-Häuser erschließt sich der Konzern weitere Anwendungsfelder. So bekräftigte Elon Musk zuletzt via X, er sei "hochgradig zuversichtlich", dass SpaceX bereits im kommenden Jahr NVIDIA-Systeme vom Typ Vera Rubin NVL72 im Rahmen des Starmind-Projekts für orbitale Rechenzentren ins All befördern wird.

Obgleich Musk Amodeis Aufruf zu mehr Bedachtsamkeit beim KI-Tempo unterstützte, machte er für den eigenen Konzern keine konkreten Zusagen.

Damit zeigt sich, dass NVIDIA seine Wachstumsperspektiven zunehmend über die großen KI-Modellhäuser hinaus erweitert. Investitionen in OpenAI und Anthropic bergen zwar Risiken, gleichzeitig erschließt der Konzern mit Hugging Face, weiteren KI-Start-ups und neuen Anwendungen zusätzliche Nachfragequellen. Ob NVIDIA damit tatsächlich die beste Wette unter den Chipwerten bleibt, dürfte sich daran entscheiden, wie stark die KI-Investitionen auch bei einem langsameren Entwicklungstempo weiter wachsen.

Claudia Stephan, Thomas Zoller, Julia Walter, Redaktion finanzen.net

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