KI-Wahlkampf

US-Zwischenwahlen 2026: Warum Analyst Dan Clifton auf einzelne Aktien statt auf den Gesamtmarkt blickt


US-Zwischenwahlen 2026: Warum Analyst Dan Clifton auf einzelne Aktien statt auf den Gesamtmarkt blickt

Vier Monate vor den US-Zwischenwahlen könnten laut Strategas-Analyst Dan Clifton vor allem KI und Rechenzentren einzelne Kongresswahlen prägen.

• Zwischenwahlen könnten laut Analyst Dan Clifton besonders wichtig für einzelne Aktien und Sektoren werden
• Rechenzentren entwickeln sich in mehreren Bundesstaaten zum zentralen Wahlkampfthema
• Strategas hat für einen möglichen geteilten Kongress einen eigenen Aktienkorb zusammengestellt

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Geteilter Kongress rückt in den Fokus

Am 3. November 2026 wird in den USA neu über alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie einen Teil der Senatssitze abgestimmt. Nach Einschätzung von Dan Clifton, der das Washingtoner Politik-Team des Analysehauses Strategas leitet, wäre ein Szenario mit einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus bei gleichzeitigem knappen Erhalt der republikanischen Senatsmehrheit in diesem Jahr besonders bedeutsam für einzelne Aktien, Subindustrien und Sektoren. Clifton verweist im Gespräch mit Morningstar darauf, dass die Zustimmungsrate von Präsident Donald Trump bei 37 Prozent liege, was historisch mit Sitzverlusten der Regierungspartei bei Zwischenwahlen einhergehe. Als weitere Einflussgröße nennt er die Entwicklung der Realeinkommen und der Beschäftigung im privaten Sektor, die sich nach seiner Einschätzung bis zur Wahl verbessern dürften. Für die Notenbank Federal Reserve (Fed) sieht Clifton durch eine mögliche Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran mehr Spielraum, geldpolitisch abzuwarten, da sich damit die Inflationsaussichten verbessern würden.

Rechenzentren als Streitpunkt in den Bundesstaaten

Nach Cliftons Einschätzung berührt kaum ein Politikfeld so viele Ebenen gleichzeitig wie der Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz, von der Bundespolitik bis zur einzelnen Gemeinde. Die Trump-Regierung habe sich zum Ziel gesetzt, den Ausbau zu beschleunigen, etwa durch eine hundertprozentige steuerliche Sofortabschreibung für Investitionen in Kapitalgüter sowie Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig sorgen sich viele Standortgemeinden, in denen neue Rechenzentren entstehen, um Wasser- und Energieverbrauch sowie die allgemeine Entwicklung vor Ort. Zum Stichtag der Haushaltsverabschiedung der Bundesstaaten am 30. Juni 2026 diskutierten nach Cliftons Angaben die vier größten Rechenzentrumsstandorte Virginia, Arizona, Texas und Illinois über Beschränkungen. Virginia habe bereits eine Sondersteuer von 600 Millionen US-Dollar auf den Stromverbrauch von Rechenzentren eingeführt. Bei den Kongresswahlen dürfte das Thema laut Clifton vor allem im Senat relevant werden, konkret in Maine, Iowa, Texas und Ohio, die zusammen den Demokraten eine Mehrheit im Senat verschaffen könnten.

Wahlkörbe: Diese Aktien beobachtet Strategas

Für jeden Wahlzyklus stellt Strategas sogenannte Wahl-Aktienkörbe zusammen, die abbilden sollen, wie der Markt einen möglichen Wahlausgang bereits einpreist. Für das Szenario eines geteilten Kongresses hat das Haus in diesem Jahr einen eigenen Korb entwickelt. Er enthält unter anderem Werte aus dem Zahlungsverkehr, da ein demokratisch kontrolliertes Repräsentantenhaus nach Cliftons Einschätzung eher zusätzliche Beschränkungen für sogenannte Interchange-Gebühren beschließen könnte, während solche Vorhaben in einem geteilten Kongress kaum Mehrheiten fänden. Im Finanzsegment des Korbs, das laut Clifton ein Fünftel des Portfolios ausmacht, finden sich zudem Konsumentenkreditgeber und Großbanken, da im Raum steht, die Zinsobergrenze für Kreditkarten auf 10 Prozent zu deckeln. Im Industriesegment setzt Strategas auf Verteidigungs- und Sicherheitswerte, da ein geteilter Kongress nach Cliftons Einschätzung zu höheren, wenn auch moderateren Verteidigungsausgaben führen dürfte als ein republikanischer Durchmarsch. Für ein absehbares Infrastrukturgesetz, das laut Clifton unabhängig vom Wahlausgang komme, zählt der Korb zudem Baustoffwerte.

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Bundespolitik flankiert den Ausbau von Rechenzentren

Parallel zur politischen Debatte über einzelne Bundesstaaten hat die Bundesregierung eigene Schritte zum Umgang mit dem Rechenzentrums-Boom unternommen. Die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) richtete am 20. Januar 2026 ein Rundtischgespräch mit der Data Center Coalition aus, um den Ausbau der Anlagen mit den Themen Luftreinhaltung, Energiezuverlässigkeit und stabilen Strompreisen in Einklang zu bringen. Am 4. März 2026 verpflichteten sich sieben große US-Technologiekonzerne im Rahmen der sogenannten Ratepayer Protection Pledge, die Kosten für zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten ihrer Rechenzentren selbst zu tragen, statt sie über die Netzentgelte auf private Haushalte umzulegen. Die von Präsident Trump unterzeichnete begleitende Proklamation erklärte die Zusagen zur nationalen Politik der Vereinigten Staaten.

Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: beeboys / Shutterstock.com, Niyazz / Shutterstock.com

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