Kinokette AMC hofft auf Wiedereröffnung im Juli
LOS ANGELES (dpa-AFX) - Die schwer von der Corona-Krise getroffene weltgrößte Kinokette AMC hofft auf eine Wiedereröffnung ihrer Filmtheater im Juli. Nach aktuellem Stand gehe er davon aus, dass zum bisher geplanten Kinostart der potenziellen Sommer-Blockbuster "Tenet" und "Mulan" am 17. und 24. Juli 97 bis 98 Prozent der Standorte wieder in Betrieb sein werden, sagte Firmenchef Adam Aron in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Bisher öffnete AMC von den rund 1000 Kinos lediglich 10 Filmtheater in Norwegen, Deutschland, Spanien und Portugal. In Deutschland betreibt AMC die UCI-Kinos.
AMC setzt darauf, dass es nach den Ausgehbeschränkungen für Milliarden Menschen "ein erhebliches aufgestautes Bedürfnis geben wird, in die Welt herauszugehen" - und dass Kinobesuche dazugehören werden, sagte Aron. Er mache sich dabei keine Sorgen wegen der erwarteten Kapazitätsbeschränkungen auf 25 oder 50 Prozent. Schließlich sei die Branche geringe Auslastung gewohnt: So habe AMC im vergangenen Jahr insgesamt nur 17 Prozent der verfügbaren Plätze verkauft. "Wenn man sich die Kinobranche ansieht, sind es Kirchen, die für den Ostersonntag gebaut wurden." Allerdings werde man potenziell lukrative Filme wie Christopher Nolans Thriller "Tenet" und Disneys "Mulan"-Neuauflage in noch mehr Sälen als sonst zeigen.
AMC hatte vergangene Woche gewarnt, dass das Überleben des Unternehmens gefährdet sei, wenn sich die Wiedereröffnung der Kinos länger hinauszögern sollte. Im ersten Quartal, das erst zum Ende von der Schließung der Kinos betroffen war, verbuchte AMC einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar. Davon gingen 1,85 Milliarden auf nicht näher umschriebene Wertberichtigungen zurück, wie die Firma nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. AMC gehört dem chinesischen Immobilienkonzern Dalian Wanda.
Der Konzern hatte im April für Aufsehen mit einem handfesten Streit mit dem Hollywood-Studio Universal gesorgt. Universal hatte angesichts der Kino-Schließungen den Animationsfilm "Trolls World Tour" direkt in den Online-Verleih gebracht. Das Studio war zufrieden damit: Ein Top-Manager stellte in Aussicht, dass neue Filme in Zukunft gleichzeitig in die Kinos und in den Online-Verleih kommen könnten. AMC verkündete daraufhin, man werde keine Filme des Studios mehr in den Kinos des Konzerns zeigen, weder in den USA noch in Europa. Jetzt hieß es, man sei in Gesprächen mit Universal, habe aber keine Filme des Studios im Spielplan./so/DP/jha