Kreml-Propagandist nach Putin-Kritik wieder aus Psychiatrie entlassen


ST. PETERSBURG (dpa-AFX) - Der Kreml-Propagandist Ilja Remeslo ist nach 30 Tagen wieder aus der Psychiatrie entlassen worden. "Heftige Kritik an den höchsten Staatsfunktionären hat ihren Preis - denkt daran", schrieb der Blogger nach seiner Entlassung auf Telegram. Die Bedingungen im Krankenhaus bezeichnete er im Vergleich zu Straflagern unter anderem wegen fehlender Spaziergänge als hart. Seine Kritik zog er nicht zurück, doch würde er sich jetzt "zurückhaltender und ausgewogener ausdrücken, ohne persönliche Angriffe".

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Im März hatte Remeslo Kremlchef Wladimir Putin als Dieb, Kriegsverbrecher und als illegitimen Präsidenten bezeichnet. Er beklagte auch eine politische und wirtschaftliche Sackgasse in die Putin das Land mit dem Ukraine-Krieg geführt habe. Zudem sei die Medienfreiheit erstickt worden und der Internetzugang werde beschränkt. Daraufhin wurde er überraschend in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Bis dahin war Remeslo vor allem als Unterstützer der Kreml-Politik und als Denunziant der russischen Opposition bekanntgeworden.

Die Reaktion der Behörden auf den Sinneswandel Remeslos dürfte auch als Warnung verstanden werden. Schon zu Sowjetzeiten wurden Nervenheilanstalten als Instrument zur Unterdrückung Andersdenkender missbraucht. Die Zwangsunterbringung zahlreicher Dissidenten dort diente dazu, sie zu diskreditieren und ihren Willen zu brechen./ast/DP/he

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