Lagarde: Klimawandel ist relevant für EZB-Primärmandat
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäischen Zentralbank (EZB) muss den Klimawandel nach Aussage von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nicht nur im Rahmen der Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik beachten, sondern auch mit Blick auf ihr Primärmandat, die Bewahrung mittelfristiger Preisstabilität. "Er ist relevant für das Primärmandat", sagte Lagarde in der Anhörung des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europaparlaments. Sie schränkte allerdings ein, dass es hierzu noch keine Position des EZB-Rats gebe. "Wir haben keine vollständige und abschließende Festlegung zu diesem speziellen Aspekt - dazu, wie stark der Einfluss ist und wie sehr er berücksichtigt werden muss", sagte sie.
Die EZB-Präsidentin begründete ihre Einschätzung unter anderem damit, dass der Klimawandel "die Intensität, die Volatilität und die Natur der makroökonomischen Schocks über den geldpolitisch relevanten Horizont hinweg beeinflussen könnte". Das könnte es der EZB laut Lagarde erschweren, ihre geldpolitische Ausrichtung richtig zu beurteilen und anzupassen. Er könnte zu potenziell hartnäckigen Inflationstrends führen und die Wechselwirkung von Geld- und Fiskalpolitik beeinflussen.
Lagarde zufolge könnte der Klimawandel zudem den sogenannten natürlichen Zins beeinflussen und damit den Spielraum für die konventionelle Geldpolitik. Weitere Beispiele sind nach Aussage der EZB-Präsidentin mögliche Einflüsse auf die Art, wie die Geldpolitik über die Finanzmärkte in die Realwirtschaft übertragen wird, sowie der Einfluss auf die EZB-Bilanz über wertlos werdende Assets.
"Ich gebe hier die Meinung des Mitarbeiterstabs wieder, meine eigene Meinung und die vieler anderer EZB-Ratsmitglieder", sagte Lagarde. Sie glaube aber, dass sich die Richtigkeit dieser Annahmen mit der Zeit und mit zunehmender Transparenz erweisen werde.
Die EZB wird im September die Ergebnisse ihrer Strategieprüfung veröffentlichen, und dabei auch Aussagen zu den klimapolitischen Handlungsmöglichkeiten der Zentralbank machen. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte am Morgen mitgeteilt, dass die EZB an einem Klimastresstest für die gesamte Wirtschaft arbeitet, der rund 4 Millionen Unternehmen weltweit und 2.000 Banken umfasst und 30 Jahre in die Zukunft reichen soll.
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March 18, 2021 05:45 ET (09:45 GMT)