Jeremy Grantham rechnet ab: US-Aktienmärkte im weltweiten Vergleich völlig unattraktiv
Im Podcast "The Long View" von Morningstar äußert sich Investmentstratege Grantham zum US-Aktienmarkt und erklärt, warum er nahezu jede andere Anlageklasse für attraktiver hält.
• Jeremy Grantham hält den US-Aktienmarkt derzeit für die am wenigsten attraktive Anlageklasse
• Der GMO-Mitgründer empfiehlt eine Streuung über Anleihen, Gold und Rohstoffaktien
• Grantham mahnt: Warnung sei nicht mit einer Prognose für einen Kurseinbruch zu verwechseln
Warnung vor überteuertem US-Aktienmarkt
In der am 30. Juni 2026 veröffentlichten Folge der Podcast-Reihe "The Long View" des Finanzportals Morningstar hat der Investmentstratege Jeremy Grantham seine Einschätzung zur Bewertung des US-Aktienmarkts dargelegt. Auf die Frage der Moderatorin Amy Arnott, welche Anlageklassen für Anleger angesichts der hohen Bewertungen am US-Markt infrage kommen, antwortete Grantham, dass nahezu alles attraktiver erscheine als der US-Aktienmarkt. Ausländische Aktien seien zwar gemessen an den Standards des 21. Jahrhunderts ebenfalls leicht überteuert und nach den Maßstäben des 20. Jahrhunderts sogar deutlich überteuert, im Vergleich zum US-Markt jedoch bei weitem nicht so stark überbewertet.
Diversifikation als Strategie
Für Anleger, die dennoch in Aktien investiert bleiben wollen, empfiehlt Grantham eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen hinweg. Neben ausländischen Aktien nennt er festverzinsliche Wertpapiere wie 30-jährige Anleihen sowie Gold. Auch Rohstoffaktien bezeichnet er als sinnvolle Beimischung, da sie über einen Zehnjahreshorizont eine negative Korrelation zum breiten Aktienmarkt aufwiesen, was er als wertvoll für ein Portfolio einstuft. Eine derart diversifizierte Aufstellung könne nach seiner Einschätzung dazu beitragen, größere Verluste zu vermeiden.
Hintergrund zu Grantham und "The Making of a Permabear"
Anlass für das Gespräch ist Granthams Buch "The Making of a Permabear: The Perils of Long-Term Investing in a Short-Term World", das er gemeinsam mit dem Finanzhistoriker Edward Chancellor verfasst hat. Im Gespräch schildert Grantham auch, wie das Buch entstanden ist. Die Idee dazu sei von einem Vorstandsmitglied seiner Firma gekommen, umgesetzt habe das Projekt der Finanzhistoriker und Buchautor Edward Chancellor, der zuvor sechs bis sieben Jahre bei GMO gearbeitet habe. Angesichts seiner eigenen Schreibblockade habe Grantham Chancellor rund 1.200 Seiten aus 20 Jahren seiner Quartalsbriefe übergeben. Gemeinsam mit acht weiteren Personen sei dieses Material anschließend mehrfach überarbeitet worden, bis Formulierungen und Zeichensetzung dem gewünschten Qualitätsanspruch entsprochen hätten.
Was Anleger aus Granthams Podcast-Auftritt mitnehmen können
Grantham betont im Gespräch, dass seine Einschätzung einer Überbewertung nicht mit einer Prognose für einen unmittelbaren Kurseinbruch verwechselt werden sollte. Er weist darauf hin, dass er in seiner gesamten Karriere nur zweimal explizit zum sofortigen Ausstieg aus dem Aktienmarkt geraten habe, zuletzt im Januar 2022. Die deutlich häufigere Einschätzung, der Markt sei nach historischen Maßstäben teuer, gelte dagegen über weite Strecken der vergangenen 25 Jahre und sei kein Signal für einen bevorstehenden Crash. Als praktische Lektion aus seiner Laufbahn nennt er, jede Marktannahme zu hinterfragen und sich an den vorliegenden Daten zu orientieren statt an vorherrschenden Stimmungen.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
Bildquellen: Lane Turner/Boston Globe/Getty Images