Marktbreite im Blick

UBS bleibt bullish für Europas Aktien - aber wo versteckt sich jetzt das Risiko?


UBS bleibt bullish für Europas Aktien - aber wo versteckt sich jetzt das Risiko?

UBS bleibt trotz steigender Anleiherenditen und hoher Energiepreise optimistisch für europäische Aktien. Gleichzeitig sprechen die Strategen aber auch eine Warnung aus.

  • UBS erwartet in der Eurozone 15 Prozent Gewinnwachstum für 2026 und 2027
  • Favorisiert werden IT, Industrie, Banken, Gesundheit und der deutsche Markt
  • Die hauseigenen Aktienstrategen warnen vor schwindender Marktbreite
Werbung

Die UBS hält trotz gestiegener Anleiherenditen und höherer Energiepreise an ihrer positiven Sicht auf europäische Aktien fest und stellt sich damit gegen die Sorge, Zinsen und Ölpreis könnten die Gewinnerholung abwürgen. In ihrer jüngsten gewordenen Einschätzung, aus der "Investing" zitiert, belässt das Chief Investment Office der Vermögensverwaltung die Eurozone auf der Einstufung "Attraktiv". Für die Berichtssaison zum dritten Quartal 2026 rechnet die Bank mit einer weiteren Verbesserung der Unternehmensgewinne, für 2026 und 2027 prognostiziert sie in der Eurozone jeweils ein Gewinnwachstum von 15 Prozent.

Der Umsatz wird zum wichtigeren Gewinntreiber

Getragen wird der Optimismus von einer Verschiebung bei den Ertragsquellen. Matthew Gilman, Leiter der europäischen Aktienstrategie im Chief Investment Office von UBS Global Wealth Management, sieht neben der bereits etablierten Kostendisziplin nun auch die Umsätze als zunehmend wichtigen Treiber der Gewinne. Währungseffekte drehen nach seiner Einschätzung von Gegenwind zu Rückenwind. Als Beleg für eine robuste Nachfrage verweist Gilman auf die starken globalen Einkaufsmanagerindizes der Industrie für September 2026 sowie auf den deutschen ifo-Index.

Bei der künstlichen Intelligenz sieht der Stratege die Investitionen eher durch das Angebot als durch die Finanzierung begrenzt. Er erwartet in der anstehenden Berichtssaison weitere Hinweise darauf, dass sich die Vorteile der Technologie auf mehr Branchen verteilen, so wie es schon in der vorangegangenen Saison zu beobachten war.

Werbung

Teure Energie stützt Elektrifizierung und Rüstung

Die hohen Energiepreise sind aus Sicht der UBS nicht nur eine Last. Sie stärken laut Gilman die Argumente für Elektrifizierung und Rüstungsinvestitionen, zwei Themen, die er als weitgehend widerstandsfähig gegenüber konjunkturellen Sorgen einstuft. Innerhalb der Eurozone bevorzugt die Bank die Sektoren IT, Industrie, Banken und Gesundheitswesen, regional setzt sie auf den deutschen Markt. Dazu empfiehlt sie ihre Anlagethemen "European Leaders" und "Swiss Mid-Caps in Focus".

Vorsichtiger ist die Bank bei konsumnahen Unternehmen, wo die Nachfrage schwach und die Preissetzungsmacht begrenzt bleibe. Zyklische Konsumwerte wurden wegen höherer Zinsen und Ölpreise verkauft. Gilman rechnet hier mit einer Erholung, sobald sich die Aussichten für die Energieversorgung aufhellen, rät aber zu Selektivität. Bevorzugt wird über das Thema "Luxury & Lifestyles" der Konsum im oberen Preissegment, den er für widerstandsfähiger hält. Für die meisten Unternehmen dürften Kostendisziplin und investitionsgetriebene Nachfrage den Druck nach seiner Einschätzung ausgleichen.

UBS-Strategen sehen im Zinsanstieg eine wachsende Belastung

Deutlich nüchterner fiel unterdessen eine Analyse der UBS-Aktienstrategen Gerry Fowler und Sutanya Chedda aus. Steigende Renditen bei US-Staatsanleihen setzen demnach zunehmend europäische Aktien unter Druck. In Phasen steigender Anleiherenditen entwickelten sich deutlich weniger Aktien positiv als bei fallenden Renditen. Der Markt breche nicht ein, werde aber schmaler, so die Strategen. Sie raten daher zu Aktien mit geringer Zinsempfindlichkeit, deren Gewinnwachstum den Bewertungsdruck durch höhere Renditen übertreffen kann, und bevorzugen zyklische Substanzwerte gegenüber defensiven Titeln mit langer Duration.

Werbung

Beide Lesarten widersprechen sich nicht grundsätzlich, setzen aber unterschiedliche Akzente. Die Gewinnprognose von 15 Prozent ist genau das Polster, das die Strategen gegen sinkende Bewertungsmultiplikatoren verlangen. Ob es trägt, ist bislang eine Prognose und kein Befund. Spannung birgt die Vorliebe des CIO für das Gesundheitswesen, das gemeinhin als defensiver Sektor gilt: Sie passt nur bedingt zur Empfehlung der Strategen, langlaufende defensive Titel zu meiden. Hinzu kommt deren Warnung, ein investitionsgetriebener Aufschwung könne eher mehr als weniger Zinserhöhungen erfordern.

Was der UBS-Ausblick für Anleger bedeutet

Für Anleger laufen beide Sichtweisen der UBS auf dasselbe Prüfkriterium hinaus. Entscheidend ist weniger die Frage, ob ein Wert zyklisch oder defensiv ist, als die Frage, ob ein Unternehmen seine Gewinne schneller steigern kann, als höhere Renditen auf die Bewertung drücken. Dort, wo sich die Präferenzen überschneiden, spiegelt sich das bereits im Markt. Banken stehen auf der Favoritenliste des CIO, und nach Angaben der Strategen zählten sie in den drei Monaten vor deren Studie zu den Gewinnern, ebenso wie Energie, Chemie und Rohstoffe. Bau, Konsumgüter, Telekommunikation, Versorger sowie Nahrungs- und Genussmittel gaben im selben Zeitraum nach.

Die schwindende Marktbreite hat zudem eine praktische Folge. Wenn in Phasen steigender Renditen nur eine Minderheit der Titel zulegt, hängt die Entwicklung breiter europäischer Indizes stärker an einzelnen Sektoren. Wer über breit gestreute Indexprodukte investiert ist, trägt die Schwäche zinsempfindlicher Branchen deshalb vollständig mit. Die Prognose eines zweistelligen Gewinnwachstums für die Eurozone sagt daher noch wenig darüber, wie gleichmäßig sich dieses Wachstum auf die einzelnen Werte verteilt.

Den ersten belastbaren Test liefert die Berichtssaison zum dritten Quartal 2026. Gilman selbst achtet darauf, ob höhere Inputkosten und Zinsen die Nachfrage oder die Margen schwächen, am deutlichsten dürfte sich das bei den konsumnahen Unternehmen zeigen.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Stuart Monk / Shutterstock.com, albund / Shutterstock.com

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.