Schnäppchen?

Novo Nordisk-Aktie nach 34 Prozent Minus: Vom Europa-Primus zum Sorgenkind der Pharmabranche


Novo Nordisk-Aktie nach 34 Prozent Minus: Vom Europa-Primus zum Sorgenkind der Pharmabranche

Der Konzern war 2024 das wertvollste Unternehmen Europas, nun drücken Preisdruck und Rückschläge in der Pipeline.

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Aktien

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  • Aktie notiert rund drei Viertel unter Rekordhoch vom Sommer 2024
  • Mittleres Kursziel der Analysten liegt rund elf Prozent über Kurs
  • Neunmonatszahlen am 4. November 2026 zeigen, wie stark der Preisdruck wirkt
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Die Novo Nordisk-Aktie ging am 5. Oktober 2026 in Kopenhagen mit 246,80 DKK aus dem Handel und hat binnen 52 Wochen gut ein Drittel ihres Wertes eingebüßt, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf rund 24 Prozent. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob der Kurs die Risiken inzwischen überzeichnet oder ob der Abschlag schlicht die neue Realität des dänischen Pharmakonzerns abbildet.

Vom Rekordhoch auf ein Viertel geschrumpft

Im Sommer 2024 war Novo Nordisk mit einem Börsenwert von umgerechnet mehr als 500 Milliarden Euro das wertvollste Unternehmen Europas, die Aktie kletterte zeitweise über 1.000 DKK. Verfehlte Forschungserwartungen, massiver Preisdruck in den USA, die Aufholjagd von Eli Lilly und mehrere Gewinnwarnungen drückten den Kurs seither auf weniger als ein Viertel dieses Niveaus. Auch der Kapitalmarkttag am 21. September brachte keine Wende. Das Ziel, bis 2030 im Schnitt so schnell zu wachsen wie die Konkurrenz und die operative Marge weitgehend stabil zu halten, enttäuschte, die Aktie rutschte an diesem Tag um fast acht Prozent auf 260 DKK. James Quigley von Goldman Sachs bemängelte eine Margenperspektive unter den Markterwartungen und fehlende Klarheit über das Tempo des Patentauslaufs bei Semaglutid.

Was für die Aktie spricht

Operativ läuft es jedoch besser, als der Kurs vermuten lässt. Im zweiten Quartal 2026 stieg der bereinigte Umsatz zu konstanten Wechselkursen um 7 Prozent auf rund 78,5 Milliarden DKK, das bereinigte operative Ergebnis legte um 11 Prozent zu. Am 4. August hob der Konzern deshalb die Jahresprognose an: Bereinigter Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis sollen nun zwischen 0 und minus 6 Prozent liegen statt zwischen minus 4 und minus 12 Prozent. Als wichtigsten Treiber nennt Konzernchef Mike Doustdar die Tablettenform von Wegovy, die in den USA seit dem Start im Januar dieses Jahres mehr als fünf Millionen Verschreibungen erreichte und im zweiten Quartal weltweit gut 3,2 Milliarden DKK umsetzte.

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Hinzu kommt der Aktienrückkauf. Seit Februar hat Novo Nordisk eigene Papiere für rund 10,2 Milliarden DKK erworben, im Schnitt zu knapp 280 DKK und damit gut 10 Prozent über dem Schlusskurs vom 7. Oktober. Das Programm umfasst insgesamt bis zu 15 Milliarden DKK. Für 2026 stellt der Konzern zudem einen freien Cashflow von 45 bis 55 Milliarden DKK in Aussicht.

Warum der Markt skeptisch bleibt

Gegen die Schnäppchenthese spricht vor allem der Preis. Der Umsatz mit gespritztem Wegovy fiel in den USA im zweiten Quartal um 22 Prozent, weil die realisierten Preise sanken. Zum 1. Januar 2027 senkt Novo Nordisk zudem den Listenpreis für Wegovy und Ozempic in den USA auf 675 US-Dollar, bei Wegovy rund die Hälfte, bei Ozempic gut ein Drittel weniger als bisher. Der Konzern selbst rechnet mit Auswirkungen auf den Cashflow 2027. Auch die angehobene Prognose bedeutet bereinigt bestenfalls Stagnation, nicht Wachstum.

Die Pipeline lieferte 2026 ebenfalls mehr Enttäuschungen als Rückenwind. Mehrere Projekte verfehlten ihre Ziele oder wurden gestoppt, allein das Aus für Monlunabant kostete eine Abschreibung von 4 Milliarden DKK. Besonders schwer wiegt, dass CagriSema in der Studie REDEFINE 4 im Februar 2026 nicht belegen konnte, beim Gewichtsverlust mit Tirzepatid von Eli Lilly mitzuhalten. Am 2. Oktober meldete der Konzern zudem, dass sich die Prüfung des Medikaments Denecimig gegen die Bluterkrankheit durch die FDA wegen Sanierungsarbeiten an einem Produktionsstandort verzögert, die Prognose für 2026 bleibe davon allerdings unberührt. Über allem schwebt zudem der Ablauf des Patentschutzes für Semaglutid in Europa und den USA Anfang der 2030er Jahre.

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Novo Nordisk-Aktie im Urteil der Analysten

Bei den Analysten hat der Kursrutsch bislang keine Kaufempfehlungen ausgelöst. Von den 14 Einschätzungen, die im September 2026 eingingen, lauteten 9 auf Halten und 5 auf Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel von 274,11 DKK liegt nur rund 11 Prozent über dem jüngsten Schlusskurs vom 5. Oktober. Am unteren Ende steht die Deutsche Bank, die am 29. September ihr Verkaufsvotum mit 245 DKK bestätigte, am oberen Ende die UBS mit Neutral und 332 DKK. Morgan Stanley stuft die Aktie seit dem 11. September mit Underweight und einem Ziel von 250 DKK ein.

JPMorgan bestätigte am 5. Oktober die Einstufung Neutral mit einem Kursziel von 275 DKK. Analyst Richard Vosser rechnet mit starken Zahlen zum dritten Quartal und verweist auf die überraschend gute Aufnahme von Wegovy in Tablettenform. Eine erneute Anhebung des Ausblicks sei im Bloomberg-Konsens aber bereits weitgehend eingepreist.

Gemessen an ihrer eigenen Historie ist die Aktie damit billig, gemessen an den Erwartungen der Analysten aber kein offensichtliches Schnäppchen. Der Abschlag spiegelt weniger das laufende Geschäft als die Sorge, dass Preissenkungen, Konkurrenzdruck und Patentablauf die Erträge in den kommenden Jahren schmälern.

Im Fokus der Anleger dürfte nun die Bilanz im November stehen. Bis Jahresende erwartet Novo Nordisk zudem die Entscheidungen der FDA zu CagriSema und zur Dosis von 25 Milligramm für Ozempic in Tablettenform.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: JHVEPhoto / Shutterstock.com, Novo Nordisk

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Datum Rating Analyst
07.10.26 Novo Nordisk Sell Deutsche Bank AG
05.10.26 Novo Nordisk Neutral JP Morgan Chase & Co.
29.09.26 Novo Nordisk Sell Deutsche Bank AG
22.09.26 Novo Nordisk Sell Deutsche Bank AG
22.09.26 Novo Nordisk Hold Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)

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