Novo Nordisk-Aktie stürzt ab: Jetzt reagieren die Analysten - Handlungsbedarf auch für Anleger?
Nach einem kräfigen Kurseinbruch am Kapitalmarkttag prüfen Analysten die neuen Wachstumsambitionen von Novo Nordisk bis 2030 kritisch.
Werte in diesem Artikel
- Anleger reagierten am Kapitalmarkttag mit deutlichem Kursabschlag auf die Ziele
- CEO Doustdar kündigt härtere Arbeit und Übernahmeprüfungen an
- Analysten sehen im stabilen Margenausblick den Hauptgrund für die Skepsis
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk hat auf seinem Kapitalmarkttag in London mittelfristige Wachstumsambitionen vorgestellt, die bei Anlegern durchfielen. Die Aktie geriet daraufhin unter Druck. Analysten diskutieren nun, ob die avisierte Margenstabilität und die Antworten auf den bevorstehenden Patentablauf ausreichen.
Kapitalmarkttag ohne Überraschungseffekt
Auf der Veranstaltung in London am Montag stellte Novo Nordisk seine strategischen Ambitionen bis 2030 vor: mehr als fünf neue Multi-Blockbuster-Medikamente, ein Umsatzwachstum auf Höhe der Industrie-Vergleichsgruppe sowie ein weitgehend stabiler Margenausblick. Für 2035 nannte der Konzern ein Ziel von über 150 Milliarden dänischen Kronen an Pipeline-Umsatz, betonte aber ausdrücklich, dass es sich um Ambitionen und nicht um eine verbindliche Finanz-Guidance handele.
Anleger hatten sich vom Termin ehrgeizigere Zahlen erhofft, nachdem Novo Nordisk seine Führungsposition im Markt für Abnehmmedikamente an Eli Lilly verloren hatte. CEO Mike Doustdar reagierte auf die Kritik mit den Worten, man müsse härter arbeiten, und kündigte an, sowohl Übernahmen zu prüfen als auch die eigene Pipeline auszubauen. Bereits umgesetzt sind Restrukturierungsmaßnahmen, die sich laut Unternehmensangaben inzwischen auf 13.000 Personalabgänge summieren.
Novo Nordisk-Aktie mit Ausverkauf
Die Novo Nordisk-Aktie fiel am Montag um fast acht Prozent auf 260 DKK und gab auch im Dienstagshandel letztlich weitere 0,37 Prozent auf 259,05 DKK nach. Hintergrund der Skepsis ist der nahende Patentablauf von Semaglutid, dem Wirkstoff von Wegovy und Ozempic, der in Europa und den USA Anfang der 2030er Jahre greift. Novo Nordisk versucht, den Markt davon zu überzeugen, diesen Einschnitt durch neue Präparate abzufedern, darunter der für Anfang 2027 geplante Start von CagriSema, gefolgt von Cagrilintide als Monotherapie und einer hochdosierten CagriSema-Variante 2028.
Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, bezeichnete das Umsatzziel bei nur stabilen Margen als leicht enttäuschend und verwies auf kommende Belastungen durch Biosimilars in Kanada, Brasilien und China sowie auf verschärften Wettbewerb ab 2028 durch Amgen und Pfizer.
Analysten uneins über die Konsequenzen für die Novo Nordisk-Aktie
Goldman Sachs-Analyst James Quigley kritisierte in seiner ersten Reaktion die stabile Marge führe zu Korrekturbedarf bei den zu hohen Gewinnerwartungen des Marktes, zudem fehle Klarheit zum Tempo des Semaglutid-Patentauslaufs. UBS-Analyst Matthew Weston erklärte, zur Strategie selbst habe es kaum mehr gegeben als erwartet; für die negative Kursreaktion sei vor allem die avisierte Margenstabilität statt einer erhofften Steigerung verantwortlich. UBS belässt die Aktie weiterhin auf Neutral mit einem Kursziel von 332 dänischen Kronen.
Skeptischer reagierte das Analysehaus Jefferies, senkte das Kursziel von 285 auf 275 dänische Kronen und beließ die Einstufung bei "Hold", während die US-Bank JPMorgan die Einstufung mit einem Kursziel von 260 Kronen auf "Neutral" beließ.
Was die Entwicklung für Anleger der Novo Nordisk-Aktie bedeutet
Für Anleger rückt damit weniger die kurzfristige Kursreaktion als die Frage in den Mittelpunkt, ob Novo Nordisk mit seiner Pipeline das erwartete Wachstum nach dem Patentablauf von Semaglutid auffangen kann. Entscheidend sind dabei insbesondere die geplanten Neueinführungen wie CagriSema, die Entwicklung der Margen und mögliche Zukäufe. Der Kapitalmarkttag hat zwar die strategischen Ziele bis 2030 konkretisiert, zugleich aber keine höhere Margenperspektive geliefert. Anleger dürften daher vor allem darauf achten, ob Novo Nordisk bei den kommenden Quartalszahlen und bei der Umsetzung der Pipeline die in Aussicht gestellten Wachstumsziele untermauern kann.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: JHVEPhoto / Shutterstock.com, Novo Nordisk